Nahost

Huthi-Angriff trifft saudischen Ölkonzern Aramco – Revanche für Attacke auf Sanaa

Die Angriffe auf saudische Ölanlagen und Schiffe in der Straße von Hormus verschärfen die Eskalation im Nahen Osten. Während die Huthi Saudi-Arabien unter Druck setzen, setzt Iran auf neue Angriffstaktiken, um die Ölpreise hochzuhalten und Washington vor den Zwischenwahlen unter Druck zu setzen.
Huthi-Angriff trifft saudischen Ölkonzern Aramco – Revanche für Attacke auf Sanaa

Die Huthi haben ein Verwaltungsgebäude des saudischen Ölkonzerns Aramco in Dhahran im Osten Saudi-Arabiens angegriffen. Nach Angaben des Energieministeriums gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur SPA brach dabei am Dienstag ein Feuer aus. Verletzte oder Tote wurden nicht gemeldet.

Zuvor hatten die Huthi Beschäftigte und Zivilisten in der Nähe saudischer Ölanlagen zur Evakuierung aufgefordert und diese als "legitime Ziele" bezeichnet. Die Warnung folgte auf eine Evakuierungsaufforderung der von Saudi-Arabien geführten Koalition für die zentrale Ölstation al-Sabah im von den Huthi kontrollierten Sanaa.

Der Huthi-Sprecher Yahya Saree drohte für den Fall von Angriffen auf Sanaa mit einer "harten und schmerzhaften" Vergeltung gegen die saudische Hauptstadt Riad.

Saudi-Arabien fing nach Angaben von SPA zudem Raketen ab, die von den Huthi auf Riad abgefeuert worden waren. Herabfallende Trümmerteile zweier abgefangener Raketen verletzten vier Menschen und beschädigten 15 Wohnhäuser, teilte ein Sprecher des Zivilschutzes mit.

Kurz nach der Evakuierungsaufforderung der von Saudi-Arabien geführten Koalition berichtete das Al-Jazeara-Team vor Ort von Explosionen in Sanaa. Huthi-nahe Medien meldeten Luftangriffe der von Saudi-Arabien unterstützten Kräfte auf eine Ölanlage im Stadtteil al-Sabah: Die Huthi-Behörden schienen den Angriff erwartet zu haben. Das staatliche Ölunternehmen erklärte, seine Lagerstätten seien leer. Ein saudischer Angriff werde daher weder die Ölreserven noch die Versorgung der Bevölkerung beeinträchtigen. 

Die Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien haben seit dem Wochenende mindestens 14 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt. Betroffen war unter anderem der Flughafen von Riad. Mehrere internationale Fluggesellschaften, darunter Lufthansa, Air France-KLM und Qatar Airways, setzten daraufhin Flüge nach Saudi-Arabien und in Nachbarländer aus.

US-Präsident Donald Trump warf den Huthi am Dienstag vor, sich "sehr schlecht zu verhalten". Zudem sagte er, er könnte den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan bitten, einzugreifen und Saudi-Arabien zu unterstützen.

An einer weiteren Front bleibt die Lage angespannt: In der Straße von Hormus wurden nach Angaben der britischen Schifffahrtsbehörde UKMTO erneut ein Tanker und ein Containerschiff von unbekannten Geschossen getroffen. Die Behörde leitete eine Untersuchung ein. Angaben zu möglichen Opfern oder Schäden lagen zunächst nicht vor.

Iran setze seit etwa zehn Tagen neue Angriffstaktiken gegen Schiffe in der Straße von Hormus ein, um die Ölpreise hochzuhalten, die US-Zwischenwahlen zu beeinflussen und Washingtons Bemühungen zur Senkung der Energiepreise zu untergraben, erklärten zwei hochrangige iranische Vertreter gegenüber Reuters. Die Strategie sei auf höchster Führungsebene beschlossen worden und umfasse sowohl neue Angriffsmittel als auch eine veränderte Angriffshäufigkeit.

Zugleich hätten die Angriffe auf Handelsschiffe in den vergangenen Tagen den höchsten Stand seit Kriegsbeginn erreicht. In den letzten 48 Stunden seien mindestens fünf Vorfälle mit Tankern und anderen Handelsschiffen registriert worden, darunter Drohnenangriffe. Die Angriffe könnten sich nun nach Einschätzung von Sicherheitsexperten zunehmend auf Gebiete außerhalb der Straße von Hormus, etwa vor Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten, ausweiten.

Unterdessen halten die USA ihre Seeblockade iranischer Häfen aufrecht und verschärfen die Sanktionen, um Teheran zu einem Abkommen zu bewegen. Die Spannungen gefährden weiterhin den internationalen Energiehandel. Die US-Kosten für den Krieg von rund drei Milliarden Dollar monatlich sind zudem zu einem Thema im Wahlkampf vor den Zwischenwahlen geworden.

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