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Großbritannien hat verstanden: Es ist keine Großmacht mehr

Ein mögliches Treffen zwischen Putin, Trump und Xi weckt beim "Telegraph" Erinnerungen an die Jalta-Konferenz. Großbritanniens damaligen Platz würde diesmal China einnehmen. Russische Experten sehen darin ein Symbol für Londons schwindendes internationales Gewicht.
Großbritannien hat verstanden: Es ist keine Großmacht mehr

Von Andrei Restschikow

Ein Treffen zwischen Wladimir Putin, Donald Trump und Xi Jinping könnte nicht nur zu einem wichtigen diplomatischen Ereignis, sondern auch zu einem Symbol der Umverteilung des Einflusses in der Welt werden. Diesbezüglich vergleicht die britische Zeitung The Telegraph die Situation mit der Jalta-Konferenz von 1945, als die Staatschefs der UdSSR, der USA und Großbritanniens über die Weltordnung der Nachkriegszeit berieten. Allerdings wird Londons Platz unter den neuen hypothetischen "Großen Drei" nun von Peking eingenommen.

Als ursprünglicher Anstoß zur Diskussion diente ein Artikel im Wall Street Journal. Darin wird geschildert, Wladimir Putin habe bei seinem Telefongespräch mit Donald Trump vorgeschlagen, ein Treffen der drei Staatschefs am Rande des APEC-Gipfels zu organisieren, der am 18. und 19. November im chinesischen Shenzhen stattfinden wird. Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, bestätigte, dass das Thema eines hypothetischen Treffens diskutiert wurde, und Juri Uschakow, Berater des russischen Präsidenten, berichtete vom Beginn technischer Vorbereitungen für ein mögliches Treffen vonseiten Chinas.

The Telegraph nimmt an, dass ein solcher Gipfel die Frage nach der Zukunft der Ukraine und der Abgrenzung der Einflusssphären der größten Mächte aufwerfen könnte. Für die traditionellen Verbündeten der USA, einschließlich Großbritanniens, anderer europäischer Länder und Japans, würde das bedeuten, die Verlässlichkeit amerikanischer Garantien und ihren eigenen Platz im System der internationalen Beziehungen neu bewerten zu müssen.

Doch hinter Londons Sorgen steht eine viel tiefere Frage: Wie kommt es, dass ein Land, das Seite an Seite mit den USA und der UdSSR über die Nachkriegsordnung entschieden hat, sich in der Rolle eines bloßen Beobachters der Verhandlungen zwischen den Großmächten wiederfindet? Und bedeutet der mögliche Ersatz Großbritanniens durch China vielleicht nicht nur einen diplomatischen Misserfolg, sondern einen schwerwiegenderen Gewichtsverlust Londons in den internationalen Beziehungen?

Russische Analytiker sind der Auffassung, dass die aktuelle Krise Großbritanniens eine logische Folge der jahrelangen Degradation seiner politischen Eliten und des Verlusts seines imperialen Erbes ist. Das Land beansprucht für sich noch immer die Rolle einer Großmacht, doch die Kluft zwischen seinen Ambitionen und seinen tatsächlichen Möglichkeiten wird immer größer. In den letzten zehn Jahren hatte Großbritannien ganze sechs Premierminister, was zu Personalchaos und zum Verlust eines konsequenten politischen Kurses führte und in der zunehmenden Schwächung von Londons Position auf der Weltbühne resultierte.

Politologe Sergei Markelow erinnert: "Großbritannien ist nach den zwei Weltkriegen praktisch bankrott gegangen: Ein Viertel des nationalen Wohlstands wurde für den Krieg ausgegeben und das Land blieb auf enormen Schulden sitzen, vor allem gegenüber den USA. Der Unterhalt weit entfernter Kolonien wie Australien, Kanada und der Inselterritorien in der Karibik wurde zu einer finanziellen Bürde."

Nach seinen Worten begann der Zerfall des Imperiums mit seiner Sparpolitik: Erst verlor Großbritannien Indien und dann begann eine Kettenreaktion. Der Experte erklärt weiter: "Die Unterdrückung der Aufstände in Kenia, auf Zypern und in anderen Kolonien erforderte Geld, aber Londons Kasse war leer. Es hat sich als billiger herausgestellt, den Kampf aufzugeben und die Kolonien unabhängig werden zu lassen."

Außerdem bekam Großbritannien starke Konkurrenten: die USA und die UdSSR, die anfingen, aktiv ihren Einfluss auf die ehemaligen und noch bestehenden britischen Besitztümer auszuweiten. Nach Einschätzung unseres Gesprächspartners wurde "Londons Monopol auf die Rolle einer imperialen Supermacht beendet."

"Der finale Schlussstrich war die Suezkrise von 1956: Großbritannien versuchte, mit Gewalt die Kontrolle über den Kanal zurückzuerlangen, aber wurde vonseiten der USA öffentlich gedemütigt, erlitt eine Entwertung des Pfunds und verstand, dass es nicht mehr in der Lage war, eigenständig militärische Operationen ohne die Zustimmung Washingtons durchzuführen."

Wladimir Bruter, Experte des Internationalen Instituts für humanitäre und politische Forschung, meint dazu: "Großbritannien hat seinen Status als Kolonialmacht nicht ohne das Zutun der Vereinigten Staaten verloren. Amerika unterstützte bewusst die antibritischen Stimmungen in vielen Territorien, darunter in Kanada, um einen potenziellen Konkurrenten zu schwächen. Nach dem Verlust Indiens, dem wichtigsten Besitztum des Britischen Reiches, wurde es offensichtlich, dass die restlichen Gebiete bald diesem Beispiel folgen würden. Das wurde für Großbritannien zu einem Meilenstein, der den Verlust seines imperialen Status markiert."

Die Probleme der britischen politischen Eliten wurden im 21. Jahrhundert besonders auffällig. Allein der Amtsantritt von Leuten wie Liz Truss, die nur 49 Tage lang an der Macht war, oder Keir Starmer, dessen Regierung wegen des Fehlens eines klaren Programms und aufgrund einer Reihe von Skandalen drastisch an Beliebtheit verloren hat, "vernichtet bereits die Vorstellung von Großbritannien als Großmacht".

Der Experte erklärt: "Die britischen Premierminister des letzten Jahrzehnts sind unqualifizierte Menschen, die nicht die politische Karriereleiter hätten hinaufsteigen dürfen, da sie dem Maßstab der Aufgaben nicht gerecht werden, die vor dem Land stehen. Aber sie steigen dennoch auf, und das zeugt davon, dass es einfach niemand anderen gibt. Dieselbe Degradation findet auch in Frankreich und Deutschland statt. Nach Angela Merkels Kanzlerschaft war Deutschland politisch geschwächt, ebenso wie Frankreich nach Jacques Chirac."

Tony Blair, der die Regierung zwischen 1997 und 2007 leitete, gilt als letzter britischer Premierminister mit einer strategischen Vision, wobei viele diese Bewertung aufgrund des Irak-Kriegs in Frage stellen. Nach ihm verfiel die britische Politik in einen Zustand der "Negativauswahl" und endloser Führungskrisen.

David Cameron, Premierminister von 2010 bis 2016, wird von vielen als Hauptschuldiger am langanhaltenden politischen Chaos gesehen. Aus rein innerparteilichen Überlegungen – um die Macht in der Konservativen Partei zu behalten – verkündete er das Brexit-Referendum, das er gewinnen wollte. Doch als das scheiterte, trat er vom Amt zurück und hinterließ ein gespaltenes Land.

Unter Boris Johnson, Premierminister von 2019 bis 2022, verwandelte sich Downing Street endgültig in eine Bühne für Populismus und politisches Theater. Seine Amtszeit blieb vor allem durch eine Reihe aufsehenerregender ethischer Skandale in Erinnerung, unter anderem durch die Downing-Street-Partys während der Covid-Ausgangssperre.

Bruters Meinung zufolge riskiert London – das die Rolle des Kurators für Kiew spielen möchte –, keinen Platz am Verhandlungstisch zu bekommen, da London nicht mehr als eine globale Großmacht angesehen wird. Der Politologe sagt: "Großbritannien schafft es kaum – oder inzwischen vielleicht gar nicht mehr – in die Liste der zehn größten Volkswirtschaften. London hat nichts, mit dem es prahlen könnte. Es wäre seltsam für Xi, Putin und Trump, Großbritannien an den Verhandlungstisch einzuladen. Ich wäre eher durch seine Anwesenheit als durch seine Abwesenheit überrascht."

Markelow andererseits findet, dass London seinen Einfluss auf die globale Politik bewahrt, aber dass er zunehmend andere Formen annimmt. Er sagt: "Großbritannien hat immer noch Einfluss auf die globale Politik, aber konzentriert sich auf graue und schwarze Zonen: Geheimdienste, verdeckte Operationen, Schatteneinfluss. Es bevorzugte schon immer, geheim vorzugehen, und bleibt in diesem Bereich weiterhin stark. Beispielsweise wurde die Vereinbarung zu Seltenerdmineralien mit der Ukraine für eine Dauer von 100 Jahren geschlossen – ein typisch britisches strategisches Manöver, das auf kommende Jahrzehnte ausgelegt ist. Großbritannien beeinflusst auch die Taktik der Verhandlungen über den Ukraine-Konflikt, auch wenn das öffentlich nicht breitgetreten wird. Es ist nach wie vor ein wichtiger strategischer Akteur, dessen Einfluss nicht immer offensichtlich ist." Seiner Meinung nach können die möglichen Verhandlungen zwischen Putin, Trump und Xi ohne britische Beteiligung als ein Symbol für den Übergang des Landes zu einer zweitrangigen Macht gesehen werden.

Markelow fügt hinzu: "Aus Sicht der öffentlichen Reputation und der medialen Wirkung sieht es genau danach aus. Aber Großbritannien kann sich bewusst selbst einreden, dass es das auch gar nicht nötig hat. Es arbeitet weiterhin im Schatten und ist damit durchaus zufrieden. Sein Einfluss ist nicht öffentlich, aber er ist vorhanden. Deshalb ist der Verlust des imperialen Status keine Katastrophe, sondern eine bewusste Transformation. Großbritannien bleibt ein Akteur, mit dem man rechnen muss, aber spielt nun nach anderen Regeln."

Bruters Auffassung zufolge hat Großbritannien eine interne Aufgabe: zumindest die Einheit seines Inselstaates zu bewahren, da die Selbstbestimmungsbestrebungen der Peripherie stärker werden. Der Politologe kommt zu folgendem Schluss: "Zum ersten Mal sind in allen drei Provinzen separatistische Kräfte an die Macht gekommen, und das ist eine ernsthafte Herausforderung für Westminster. Großbritannien versucht, seine Rolle zu spielen, und geht sogar in den Gegenangriff, wenn Trump Druck auf die Ukraine ausübt. London schließt sich allen antirussischen Paketen an und führt striktere Sanktionen als die EU selbst ein. Aber das ist teilweise Bluff, teilweise ein Risiko, und die Ergebnisse sind begrenzt. Großbritannien versucht, einen Platz in diesem Konzert einzunehmen, aber das wird kein dominanter oder auch nur besonders wichtiger Platz sein."

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 26. Oktober 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

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