Meinung

Macron beklagt den Sturzflug der EU – als wäre er nicht einer der Piloten

Nach einem weiteren Einknicken gegenüber Washington beschuldigt Macron jeden, nur nicht sich selbst, dafür, dass Franreichs Wirtschaft, Energiesicherheit und Authorität sich auflösen. Irgendwie hat er die letzten zehn Jahre lang nicht regiert.
Macron beklagt den Sturzflug der EU – als wäre er nicht einer der Piloten© Urheberrechtlich geschützt

Von Rachel Marsden

So, der große böse US-Präsident Donald Trump hat gerade erfolgreich den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und die EU dazu genötigt, ihre kostbaren strategischen Diesel-Reserven "für Regentage" auf den Markt zu werfen.

Warum? Weil Trump, indem er eine katastrophale Beendigung von Dieselexporten nach Europa androhte, dafür sorgen wollte, dass seine heimischen Treibstoffpreise vor den US-Zwischenwahlen im kommenden Monat knackig aussehen.

"Wir haben beschlossen, unter der Koordination der Internationalen Energieagentur strategische Reserven von Diesel und Rohöl freizugeben - die Agentur wird sich in den kommenden Stunden oder Tagen treffen wird, um das zu organisieren ... Dieser Prozess wird zuallererst beim Diesel beginnen", erklärte Macron.

Moment, sind das nicht genau die selben strategischen Reserven, die in Brüssel wegen bevorstehender Knappheit im Winter einen kollektiven Nervenzusammenbruch auslösten? Ach ja, was soll ein Staatschef schon tun, wenn er nur ein hilfloses, unschuldiges kleines Rädchen in einer enormen multilateralen Maschine wie den G7 ist? Ist ja nicht so, als würde Macron dieses selbst zugefügte Unglück in irgendeiner Weise direkt gestalten, oder?

Moment, wartet ein wenig. Er ist noch nicht fertig mit Graben.

"Auf jeden Fall wird Frankreich diesen Schritt in Bezug auf seine eigenen Reserven tun, was auch den Wunsch wiederspiegelt, dem Markt ein klares Signal zu senden", fügte Macron hinzu. Ja, die Signale sind so subtil wie eine Leuchtpistole ins Gesicht.

Visionäre europäische Staatschefs wie Macron haben schon lange das Steuerrad an Washington übergeben, weil sie anscheinend dachten, das sähe in den Augen ihrer ukrainischen Freundin, Selenskij, besser aus, als mit Russland und seinem billigen Erdgas Handel zu treiben.

Und jetzt kriegen wir noch eine weitere Kapitulation von Macron vor einem etwas neueren Schreckgespenst, wegen dem er schon auf der Weltbühne herumgeheult hat: Trump.

Dieses ganze Drama erreichte seinen Höhepunkt bei einem Staatsbesuch in Madrid, als Macron bei einer örtlichen Universität vorbeischaute, um neben prominenten Getalten der spanischen Kultur ein paar avantgardistische Gedanken zu Europa abzusondern. Ein örlicher Schriftsteller schlug über die Mitte dieses Spielfelds einen Softball, beschwor Trump und den globalen Aufstieg des Populismus im selben Atemzug wie Faschismus, um sie als existientielle Bedrohung der Demokratie zu framen. Was natürlich für Macron der ultimative Hinweis war, um zu erklären, wessen Schuld dieses Elend tatsächlich ist. Und die kurze Antwort lautet: absolut, eindeutig nicht die seine.

"Der große Schlag für Frankreich war die Krise 2008-2012. Und wer zahlte die Rechnung? Die Mittelschicht. Selbst in den Ländern, die weniger betroffen waren, haben sich einige Kategorien in Hinsicht auf die Kaufkraft und den Lebensstandard, den sie vor dieser Krise hatten, nicht erholt. Und das war ein Verrat", sagte er.

Der gleiche Kerl, der schon fast ein Jahrzehnt den Laden betreibt, muss 15 bis 20 Jahre in der Zeit zurückreisen, um jemanden zu finden, der für die Tatsache verantwortlich ist, dass die französische Mittelschicht derzeit an der wirtschaftlichen Lebenserhaltung hängt. Denn offensichtlich konnte er unmöglich etwas damit zu tun haben, auch wenn er die letzten zehn Jahre lang das königliche Szepter in der Hand hielt.

Er begründet die aktuelle Wirklichkeit mit der europäischen Schuldenkrise von 2010, als wäre er nur ein unschuldiger Tourist, der vor dem Elysee-Palast Selfies schießt, und nicht der Kapitän dieses Schiffs.

"Ein Schlüsselfaktor in der Wettbewerbsfähigkeit Europas war sehr billiges Gas, das aus Russland kam. Das endete 2022", predigte Macron. "Aber unser großer Exportmarkt war China. Das ist auch vorbei. Europa hat jetzt ein Handelsbilanzdefizit mit China. Heute verlieren wir jeden Tag eine Milliarde Euro im Handel mit China:"

Man muss die Poesie - wenn nicht die Dreistigkeit - des Passiv hier bewundern. Es endete 2022. Wie ein Regenguß! Es passierte einfach so. Ohne, dass er eingreifen konnte. Was soll ein gewöhnlicher Sterblicher schon tun? Das selbe mit den Verkäufen nach China. Puff, es ist jetzt vorbei! Wer weiß schon, warum? Ein totales Rätsel. Eine Milliarde Euros am Tag bluten, während man dasteht und mit den Schultern zuckt.

Ganz zu schweigen von seinen übrigen brillianten Politik-Hits, wie, zu versuchen, die französische Kernkraft abzudrehen, ehe er in Panik verfiel und sie unbeholfen als das nächste große Ding bei grünen Erneuerbaren wiederzubeleben suchte, oder als er die Kronjuwelen der französischen Industrie an die Amerikaner verkaufte, nur um sie später mit einem massiven Verlust für die Steuerzahler stolz zurückzukaufen. Oder der Presse in seinem Privatjet vorzusingen, dass Europa doch kein amerikanischer Vasall sein solle - unmittelbar, ehe er die französischen Bürger und die Industrie, weil er genau dieser Vasall war, sich für das Privileg, ihre Wohnungen zu heizen oder zu kühlen, dumm und dämlich zahlen lässt.

Das ist genau die selbe Energie des Laufenlassens, die er aktuell der jährlichen französischen Jahreszeit linker Proteste und Zertrümmerungen entgegenbringt. In diesem Herbst haben die üblichen professionellen Unzufriedenen es geschaft, ihre schmutzige Arbeit durch einige Oberschüler erledigen zu lassen, was heißt, wir dürfen ertragen, wie Teenager ihre eigenen akademischen Einrichtungen in Brand setzen, weil sie glauben, dass ihre Schultage zu zermürbend sind - in einem Land, in dem auf alle sechs Wochen des akademischen Kalenders zwei Wochen verbindliche Ferien folgen.

Und die beeindruckende Anti-Aufstands-Strategie der Regierung, um die Straßen zu räumen, ist ... Onlineklassen. Weil die Kur für revolutionären Eifer offenkundig darin besteht, die Söhne und Töchter von Che einzuladen, in der Nähe des Familienkühlschranks und der Fernsehfernsteuerung zu verweilen, während Mama und Papa draußen buckeln. Vielleicht merken sie, dass das einladender ist, als in den Straßen abzuhängen und die Drama-Queen zu geben.

Jedes Jahr wird nach dem selben Drehbuch gespielt, und die Behörden verbarrikadieren sich einfach und warten ab. Das scheint Macrons Muster für alles zu sein, auch für seinen Umgang mit seiner Zustimmung von 18 Prozent. Einfach warten, bis das Feuer abbrennt, und dann das Ganze auf irgend etwas schieben, das völlig außer seiner Kontrolle ist. Er kann sich inzwischen nicht einmal mehr dazu durchringen, den Feuerwehrschlauch abzurollen.

Schaut aus, als müssten die Franzosen vielleicht selbst aussitzen, bis Macron und seine Amtszeit endet, ehe sie einen Versuch machen können, dass irgendwer tatsächlich etwas nützliches tut, um irgendwas an diesem Kurs umzukehren.

Übersetzt aus dem Englischen.

Rachel Marsden ist eine Kolumnistin, politische Strategin und Moderatorin unabhängig produzierter Talkshows auf Französisch und Englisch.

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