
US-Bank JPMorgan gibt auf, den Ölpreis vorhersagen zu wollen

Die US-Bank JPMorgan hat erklärt, sie habe nicht länger einen klaren Blick auf den Ölpreis, da sich der Krieg im Nahen Osten hinziehe und kein klares Ende in Sicht sei. Die Analytiker der Bank haben es aufgegeben, ein Basisszenario zum Rohöl zu entwickeln, was für eine größere Bank und einen der meistbeobachteten Rohstoffe der Welt ein ungewöhnlicher Schritt ist.
"Wir wissen einfach nicht, wie wir ein Modell des Endspiels machen sollen", schrieb die Bank in einer Forschungsnotiz, und merkte an, dies sei das erste Mal, dass sie sich außerstande sehe, eine Perspektive zu entwickeln, seit der US-israelische Krieg gegen Iran begann.

Die Herangehensweise von US-Präsident Donald Trump, rein in die Pantoffeln, raus aus den Pantoffeln, hat die Händler ratlos darüber zurückgelassen, wie sie weiter verfahren sollen. Ein Bericht von Bloomberg schrieb, dass JPMorgan nur öffentlich mache, was Händler schon lange im Privaten gesagt hätten: Es sei unmöglich, vorherzusagen, wie das ende.
Die Analytiker von JPMorgan erklärten, sie hätten zuvor angenommen, es gebe Linien, die die Trump-Regierung nicht überschreiten werde, wie Öl über 100 US-Dollar pro Barrel oder Benzin zu fünf US-Dollar die Gallone. Die Erträge der US-Schatzbriefe haben sich ebenfalls nach oben bewegt, und die zehnjährigen haben in der vergangenen Woche fünf Prozent erreicht. Der Markt der Staatsanleihen wird sowohl von der Wall Street als auch in Washington genau beobachtet, und eine hohe Volatilität sorgt üblicherweise schnell für Sorgen bei Politikern, bedenkt man die kritische Rolle dieses Marktes im Finanzsystem der USA und der Welt.
Keine dieser Schwellen scheint jedoch die Regierung abgeschreckt zu haben, weiterhin Druck auf Iran auszuüben. Trump äußerte, er stehe vor einer "großen Entscheidung" zu Iran, und warnte, er könne die iranische Regierung "auslöschen".
Viele der früheren Voraussagen von JPMorgan erwiesen sich als weit danebengezielt. Anfang April sagten sie voraus, wenn die Störungen in der Straße von Hormus bis Mitte Mai anhielten, könne Erdöl einen Preis von 150 US-Dollar pro Barrel erreichen. Öl erreichte einen Maximalwert von 125 Dollar pro Barrel und blieb seitdem allgemein nahe bei 100 US-Dollar, trotz regelmäßiger Störungen.
Analytiker der Bank hatten auch vorhergesagt, die Ölvorräte in den OECD-Ländern würden im Mai ihre "operationellen Maxima" erreichen, von wo aus "Preisanstiege eher exponentiell statt linear" verlaufen. Während die Lager weltweit geleert wurden, hielten sie sich aber besser, als viele erwarteten, auch JPMorgan.
Die Analysten gaben zu, die Zerstörung der Nachfrage habe die Störungen im Angebot weit mehr aufgefangen als die Nutzung der Vorräte, und das habe höhere Preise vermieden.
Die Internationale Energieagentur erwartet nun, dass die weltweite tägliche Nachfrage nach Öl im Jahr 2026 um beträchtliche 2,5 Millionen Barrel zurückgeht, ein Rückgang, der 940.000 Barrel pro Tag größer ist als die Schätzung im Bericht vom August. Das Ausmaß des Nachfragerückgangs spricht auch für eine schwächere Wirtschaft dahinter, da Konsumenten wie Unternehmen davor zurückschrecken, das vorhergehende Verbrauchsniveau bezahlen zu müssen.
Allerdings ist dieser Effekt nicht gleichmäßig verteilt. Nach dem Erdölanalysten Art Berman traf die Krise zuerst verwundbare, importabhängige Entwicklungsländer, wo hohe Preise zusammen mit einer schwachen Währung es deutlich erschwerten, diese Last zu bewältigen – was manchmal zu einer verhängnisvollen Feedbackschleife führte.
"Die ersten Teilnehmer, die aus dem Markt gedrängt werden, sind nicht wohlhabende amerikanische Konsumenten", schrieb er. "Es sind Düngerkäufer in Afrika, Speditionen in Pakistan, Fabriken in Bangladesch und Haushalte quer durch alle importabhängigen Volkswirtschaften."
Zerstörung von Nachfrage ist ein bekanntes Phänomen in Energiekrisen. Während der mit der iranischen Revolution verbundenen Ölkrise 1979 sorgte der Preisanstieg für einen Rückgang des US-Ölverbrauchs um beinahe 20 Prozent über vier Jahre hinweg.
Anfang 2008 gab es einen extremen Anstieg des Rohölpreises von etwa 90 US-Dollar pro Barrel im Januar auf ein Allzeithoch von 147 US-Dollar im Juli. Diese extreme Preisbewegung löste einen schnellen Rückgang der Nachfrage aus, der die Konsumausgaben schädigte und von vielen Analytikern als einer der unterschätzten Auslöser der folgenden Krise gesehen wird, die die Weltwirtschaft erschüttern sollte.
Europas Energiekrise 2022, die von seiner Ablehnung des günstigen russischen Erdgases ausgelöst wurde, sorgte noch bis Ende 2025 für einen Rückgang des Verbrauchs um 20 Prozent im Vergleich zum Niveau vor 2022. Selbst als die Preise langsam wieder sanken, war der Schaden bereits angerichtet: Fabriken hatten geschlossen und einige Unternehmen verlagerten die energieintensive Produktion nach Übersee.
Gegen Ende dieser Woche fielen die Ölpreise, durch Hoffnungen auf eine Wiederherstellung der Ölflüsse durch Saudi-Arabiens wichtige Ost-West-Pipeline, die durch einen Drohnenangriff beschädigt wurde. Dennoch hielt sich Brent bei über 100 US-Dollar pro Barrel und wurde am Freitagnachmittag in London um die 103 US-Dollar gehandelt.
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