Israel: Wassermangel ohne Entsalzungsanlagen

Ende August mussten in Israel fünf der sechs großen Meerwasserentsalzungsanlagen abgeschaltet werden, die normalerweise bis zu 80 Prozent des Trinkwassers liefern. Inzwischen sind sie, bis auf zwei, wieder in Betrieb gegangen. Der Grund dafür? Eine ungewöhnlich starke Mikroalgenblüte.
Das fehlende Wasser konnte bisher weitgehend durch eine höhere Entnahme unter anderem aus dem See Genezareth ersetzt werden. Allerdings wurde die Bewässerung öffentlicher Grünflächen und landwirtschaftlicher Flächen eingeschränkt; die zusätzliche Entnahme erfolgte bei bereits ungewöhnlich niedrigem Grundwasserspiegel. Die Landwirte beklagen sich, die Schäden könnten irreversibel sein, da die Ernte unmittelbar bevorstehe.
Die Algen sind so klein, dass sie die Filter der Anlagen passieren können. Sie verstopfen diese allerdings; daher die Abschaltung. Auslöser für die Algenblüte soll der heiße Sommer gewesen sein. Überwiegend wird geschrieben, die Algenblüte habe sich von der Mündung des Nils her ausgebreitet. Wie lange die Algenblüte noch anhält, ist unklar – was bedeutet, dass es durchaus erneut zu Abschaltungen kommen kann.
Allerdings gibt es noch einen weiteren Faktor, der eine Algenblüte begünstigt: Nachdem in Gaza 85 Prozent aller Anlagen zur Abwasserbehandlung durch die israelische Armee zerstört wurden, fließen dort täglich rund 40.000 Kubikmeter Abwasser ungeklärt ins Mittelmeer und sorgen für reichliche Düngung. Die verbreitete Vermutung lautet also, es sei das Ergebnis einer Kombination von Faktoren, und die Zerstörung in Gaza sei einer davon.
Nach israelischen Medienberichten reagierte die israelische Wasserbehörde auf die Algenblüte, indem sie vor der Küste von Aschkelon große Mengen an Pestiziden versprühte und dabei die zulässigen Mengen weit überschritt. Die Öffentlichkeit wurde darüber zuvor nicht informiert. Die Umweltfolgen beider Vorfälle, der massiven Algenblüte wie des Pestizideintrags, sind derzeit noch nicht absehbar.
In Gaza änderte sich am chronischen Wassermangel dadurch wenig. Auch dort gab es Entsalzungsanlagen für die Wasserversorgung, die aber wie die Kläranlage beschädigt oder zerstört wurden – die letzte, erst im Juni dieses Jahres in Betrieb genommene, Ende August in Sheikh Radwan.
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