
Medienbericht: Russland hilft Iran bei der Entwicklung von Überschall-Marschflugkörpern

Russland soll Iran bei der Entwicklung fortschrittlicher Überschall-Marschflugkörper unterstützt haben. Es handelt sich offenbar um einen der bedeutendsten Transfers strategisch sensibler Militärtechnologie von Moskau nach Teheran. Das berichtet Financial Times am Mittwoch. Das mehrjährige "Geheimprogramm" soll Iran bei der Entwicklung einer neuen Waffengattung unterstützen, die in der Lage wäre, US-Flugzeugträger und andere Kriegsschiffe im Nahen Osten zu bedrohen.

Eine Recherche der Financial Times will das Programm aufgedeckt haben. Es begann demnach 2023 und wurde auch während des US-israelischen Krieges gegen Iran fortgesetzt. Im Mittelpunkt des Programms steht die Entwicklung eines Staustrahltriebwerks (Ramjet), das Marschflugkörpern Geschwindigkeiten von mehreren Mach ermöglicht. Die Technologie könnte für Seezielflugkörper und Angriffe auf Landziele eingesetzt werden.
"Es handelt sich um den Transfer einer militärischen Technologie von höchster strategischer Bedeutung aus Russland – eine Technologie, die Iran seit Jahrzehnten erwerben will", sagte der Raketenexperte Fabian Hinz. Ein solches Programm erfordere in Russland eine politische Genehmigung auf höchster Ebene.
Überschall-Marschflugkörper verbinden hohe Geschwindigkeit mit einem Flug in geringer Höhe. Dadurch bleibt modernen Luft- und Raketenabwehrsystemen weniger Zeit, die Flugkörper zu erkennen und abzufangen. Für Iran ist das besonders am Persischen Golf relevant, wo die USA und ihre regionalen Verbündeten über hoch entwickelte land- und seegestützte Abwehrsysteme verfügen.
Iran hat das Ramjet-Triebwerk bereits entwickelt und Flugtests durchgeführt. Es gibt jedoch bislang keine Hinweise darauf, dass ein mit russischer Hilfe entwickelter Überschall-Marschflugkörper bereits eingesetzt wird.
Das Programm soll Teil der zunehmend engen strategischen Militärkooperation zwischen Russland und Iran sein. Teheran soll Moskau Shahed-Kampfdrohnen im Zuge des Iran-Krieges geliefert haben. Ukrainische und westliche Vertreter werfen wiederum Russland zudem vor, Iran während des Krieges gegen die USA und Israel mit Satellitenbildern, Drohnenunterstützung und Waffenteilen unterstützt zu haben.
Das Programm zur Unterstützung bei der Entwicklung des Überschall-Marschflugkörpers soll von "Rosoboronexport", dem staatlichen russischen Waffenexporteur, organisiert worden sein. Dieser koordinierte das Projekt mit "NPO Maschinostrojenija", einem russischen Raketenhersteller. Die USA hatten NPO Maschinostrojenija bereits 2014 mit Sanktionen belegt.
Der Kreml, Rosoboronexport und NPO Maschinostrojenija reagierten nicht auf Anfragen der Financial Times. Auch die iranische Regierung, die über ihre Botschaft in London kontaktiert wurde, beantwortete die Fragen der Zeitung nicht.
Russlands Präsident Wladimir Putin sagte am Dienstag seinem iranischen Amtskollegen Masoud Peseschkian, Moskau versuche, Iran "in dieser schwierigen Zeit" im Krieg mit den USA die benötigte Hilfe zu leisten und das Land mit den notwendigen Gütern zu versorgen. Weitere Einzelheiten nannte Putin nicht.
Im vergangenen Jahr soll die Revolutionsgarde (IRGC) einen hochauflösenden chinesischen Satelliten beschafft haben, mit dem sie rund um die iranischen Vergeltungsangriffe in diesem Jahr US-Militärstützpunkte im Nahen Osten überwachte. Die USA verhängten daraufhin Sanktionen gegen den chinesischen Anbieter Earth Eye. Washington erklärte, das Unternehmen habe Iran während des Krieges mit Satellitenbildern versorgt und damit iranische Angriffe auf US-Streitkräfte ermöglicht.
Zusammengenommen zeigten die Programme, wie Teheran auf russische und chinesische Technologie zurückgreift, um Schwachstellen in verschiedenen Bereichen seiner Streitkräfte zu schließen – von der Luftabwehr und Aufklärung bis zur Entwicklung modernerer Angriffssysteme, hieß es in der Financial Times.
Iran hat in den vergangenen Jahren sein Arsenal an ballistischen Raketen deutlich weiterentwickelt, darunter auch Systeme, die Teheran als hyperschallfähig bezeichnet. Zudem verfügt das Land über eine eigene Industrie zur Herstellung von Turbojet- und Turbofan-Triebwerken für langsamere Marschflugkörper. Eine technologische Schwachstelle bleibt jedoch die Entwicklung von Überschall-Marschflugkörpern mit Ramjet-Antrieb.
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