
Anti-Tagi: Deutschland verpasst den KI-Zug, während Milliarden in die Ukraine fließen

Von Hans-Ueli Läppli

Friedrich Merz wurde bereits mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Doch der Kanzler macht weiter, als ginge ihn die wachsende Unzufriedenheit in den eigenen Reihen nichts an.
Jetzt kommt die nächste Warnung, dieses Mal ausgerechnet von Jensen Huang, dem Chef des KI-Konzerns Nvidia. Deutschland drohe, bei einer der wichtigsten Technologien dieses Jahrhunderts den Anschluss zu verlieren. Während andere Länder Milliarden in Rechenzentren, künstliche Intelligenz und Robotik investieren, liefert Merz Gipfeltreffen, Absichtserklärungen und große Versprechen. Für einen Kanzler, der Deutschlands wirtschaftliche Zukunft sichern soll, ist das ein verheerendes Zeugnis.
Merz muss weg, wenn er nicht bereit oder nicht in der Lage ist, seine Prioritäten grundlegend zu ändern.
Die Milliarden fließen nach Kiew, während Deutschland selbst unter maroden Schulen, kaputter Infrastruktur und leeren Kassen leidet. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft schlüsselt die häufig genannten 100 Milliarden Euro für die Ukraine-Hilfe auf. Demnach entfallen 41,7 Milliarden Euro auf tatsächlich geleistete bilaterale Hilfe an die Ukraine. Weitere 35,9 Milliarden Euro wurden in Deutschland ausgegeben, vor allem für Sozialleistungen und die Unterbringung ukrainischer Flüchtlinge. 22 Milliarden Euro betreffen künftige Zusagen für Militärhilfe. Die Zahlen machen deutlich, in welcher Größenordnung Deutschland Geld für die Ukraine mobilisiert.
Der Kriegskanzler entdeckt die Zukunft, nachdem andere längst davonlaufen
Jensen Huang kam nicht nach Berlin, um Friedrich Merz politisch zu entlasten. Der Nvidia-Chef kam als Vertreter eines Konzerns, der die technologische Revolution der Gegenwart entscheidend mitprägt. Seine Botschaft an Deutschland war klar. Die deutsche Industrie besitzt wertvolle Daten, Ingenieurswissen und Fertigungskompetenz. Sie muss diese Stärken aber viel konsequenter für künstliche Intelligenz nutzen. Huang warnte, die industrielle KI-Revolution sei gewaltig und Deutschland dürfe diese Chance nicht verpassen.
Tech-Boss rechnet ab: Illusions-Show deutschen Politik | Friedrich Merz, Nvidia Deal & Steuergeld https://t.co/OrqsszuyuZ
— Manfred Schiffer (@sch79258) October 17, 2026
Das ist eine Warnung, die in Berlin jeder verstehen müsste. Denn Deutschland kann sich nicht dauerhaft auf den Ruhm seiner vergangenen Industrieerfolge verlassen.
Die Automobilbranche steht unter internationalem Wettbewerbsdruck, digitale Plattformen und zentrale KI-Technologien werden von amerikanischen Unternehmen dominiert, und China baut seine Position in zahlreichen Zukunftsbranchen aus. Wer jetzt nicht investiert, riskiert, später für den Zugang zu Technologien bezahlen zu müssen, die andere entwickelt haben.
Und was macht Merz? Er organisiert einen Investitionsgipfel, präsentiert sich mit dem Nvidia-Chef und verkündet eine Zusammenarbeit bei sogenannter Physical AI. Dahinter stecken Roboter, autonome Fahrzeuge und intelligente Produktionsanlagen. Das Thema ist richtig. Doch eine Absichtserklärung ist noch keine industrielle Revolution. Sie schafft weder automatisch neue Rechenzentren noch bringt sie mittelständische Unternehmen über Nacht auf den neuesten Stand.
Made for Germany. Wenn Merz die Investitionen anderer als seinen Erfolg verkauft. Friedrich Merz feiert auf seinem Investitionsgipfel Milliardeninvestitionen internationaler Konzerne, und BILD jubelt über einen regelrechten Milliardenregen für Deutschland. Dabei gibt es durchaus Grund zur Freude. Wenn Unternehmen hier investieren, entstehen Arbeitsplätze, Infrastruktur, Forschungsstandorte und wirtschaftliche Wertschöpfung. Das ist gut für unser Land und sollte auch anerkannt werden. Nur sollte man dabei nicht vergessen, warum diese Konzerne investieren. Amazon kündigt für 2027 mehr als 16 Milliarden Euro an, davon 4,8 Milliarden für seine Cloud- und KI-Infrastruktur. Amazon baut damit sein eigenes Geschäft aus, erschließt zusätzliche Nachfrage und stärkt seine Marktposition. Dass Deutschland davon profitiert, ist erfreulich. Aber Amazon investiert in erster Linie für Amazon und nicht, weil Friedrich Merz plötzlich die deutsche Industriepolitik neu erfunden hätte. Auch die groß gefeierten 800 Milliarden Euro der Initiative „Made for Germany“ sind keine neue Erfolgsmeldung. Merz sprach bereits im April von dieser Summe. Inzwischen nennt die Initiative sogar über 850 Milliarden Euro bis 2028. Es handelt sich um Investitionszusagen von Unternehmen, darunter längerfristige Planungen. Wie viel davon tatsächlich zusätzlich durch die Politik dieser Bundesregierung ausgelöst wurde, bleibt offen. Besonders hübsch finde ich allerdings den Namen dieser Initiative. „Made for Germany“. Ausgerechnet diesen Slogan verwendet der südkoreanische Technologiekonzern Samsung bereits seit 2020 für seine Produkte und Angebote auf dem deutschen Markt. Ob sich die Initiatoren dort bedient haben, wissen wir nicht. Besonders originell ist die Namenswahl jedenfalls nicht. Früher war „Made in Germany“ ein international anerkanntes Qualitätsversprechen für deutsche Produkte, Ingenieurskunst und industrielle Leistungsfähigkeit. Heute feiern wir unter „Made for Germany“, dass internationale Technologiekonzerne Deutschland als attraktiven Standort für ihre Geschäfte betrachten. Dabei verfügen wir mit SAP, Siemens, Bosch, Infineon, ZEISS und unserem industriellen Mittelstand selbst über erhebliche technologische Kompetenzen. Deutschland ist gerade bei industrieller Software, Automatisierung und hochspezialisierter Technik keineswegs irgendein rückständiger Wirtschaftsstandort. Deshalb würde mich viel mehr interessieren, wie Merz aus diesen Milliardeninvestitionen eine Strategie für eigenständige deutsche und europäische Technologieentwicklung machen möchte. Wir brauchen nicht nur Rechenzentren, in denen amerikanische Cloud-Plattformen betrieben werden, sondern auch eigene Technologien, Software, Patente, Produkte und Unternehmen, die weltweit erfolgreich sind. Merz darf sich über Investitionen freuen und selbstverständlich auch dafür werben. Aber zwischen der erfolgreichen Standortentscheidung eines internationalen Konzerns und einer erfolgreichen deutschen Industriepolitik liegt ein erheblicher Unterschied. Deutschland sollte nicht damit zufrieden sein, ein guter Standort für die Geschäfte anderer zu bleiben. Wir haben die Voraussetzungen, selbst wieder mehr Technologie zu entwickeln und weltweit zu vermarkten. Vielleicht sollte Merz neben all seinem Stolz auf „Made for Germany“ auch wieder etwas mehr darüber nachdenken, wie wir aus Deutschland mehr „Made in Germany“ machen.
— RCraven1 📯 (@RCRaven1) October 20, 2026
Bereits im Juni 2025 stellte die Bundesregierung eine industrielle KI-Cloud mit mindestens 10.000 Grafikprozessoren in Aussicht. Nun folgt das nächste Vorhaben.
Merz kann weitere Gipfel veranstalten und neue Programme präsentieren. Der wirtschaftliche Nutzen entscheidet sich jedoch daran, ob Unternehmen die versprochene Rechenleistung tatsächlich erhalten und damit ihre Produktivität erhöhen.
Skurril: Nvidia-Deal von Kanzler Merz… Merz beteuert: „Ziel ist es, (…) ein hochmodernes KI-Ökosystem in Europa zu etablieren.“ Dabei öffnet er mit Nvidia und Co. erst recht US-Konzernen die Türen nach Deutschland. Nvidia spendete 25 Mio. Dollar für den neuen „Ballsaal“ von Trump. Merz tut, wozu Merz hier ist: Ausverkauf Deutschlands im Schlussverkauf.
— Stefan_Magnet (@MagnetStefan) October 19, 2026
Während Milliarden für die Ukraine weiter bereitgestellt werden, fließt deutsches Steuergeld in ein Land, dessen Führung seit Jahren von Korruptionsskandalen erschüttert wird.
Das Regime Selenskijs profitiert von der CDU‑Unterstützung, während immer neue Vorwürfe über veruntreute öffentliche Gelder und undurchsichtige Geschäfte die Frage nach der Kontrolle dieser Milliarden aufwerfen.
Wer in Berlin weitere Milliarden freigibt, muss sicherstellen, dass das Geld tatsächlich seinem vorgesehenen Zweck dient und nicht in korrupten Strukturen versickert. Doch statt lückenloser Transparenz und einer konsequenten Rechenschaftspflicht dominieren politische Zusagen. Für deutsche Bürger und Unternehmen, denen die Bundesregierung Sparsamkeit abverlangt, ist das ein kaum vermittelbares Signal.
Merz holt Millionen Investment von Nvidia nach Deutschland. Ist das ein Witz. Er verkloppt Milliarden an die korrupte Ukraine und wird dafür gefeiert. https://t.co/tggtG68XoH
— Wolfram (@Wolfram484057) October 19, 2026
Die eigene Partei stellt die Führungsfrage, doch Friedrich Merz macht einfach weiter
Friedrich Merz steht unter Druck, doch der Kanzler macht einfach weiter, als wäre nichts geschehen.
Beim Deutschlandtag der Jungen Union bekam Merz heftige Kritik aus den eigenen Reihen zu hören. Ein Delegierter stellte infrage, ob der Kanzler noch der richtige Mann an der Spitze ist. Zum offenen Ruf nach seinem Rücktritt kam es zwar nicht, doch wenn selbst die eigene Parteijugend an seiner Führung zweifelt, sollte Merz das nicht einfach übergehen.
Deutschlandtag 2026: Die Stimmung zwischen dem Kanzler und den Jungen ist insgesamt besser als im letzten Jahr – nichtsdestotrotz fordert ein Delegierter aus dem LV Bayern Merz auf, den Bundespräsidenten um seine Entlassung zu bitten, wenn ihm das Land am Herzen liege. https://t.co/1gR2J2nLes
— Beatrice Achterberg (@BeaBovary) October 17, 2026
Die Gründe liegen auf der Hand. Deutschland verliert wirtschaftlich an Kraft, Unternehmen suchen andernorts bessere Bedingungen und junge Menschen fragen sich, welche Perspektiven ihnen dieses Land noch bietet.

Merz setzt der Kritik neue Versprechen entgegen. Industrielle KI, Kooperationen mit Nvidia und Investitionsgipfel sollen Aufbruch vermitteln. Doch solange daraus keine verfügbare Infrastruktur, keine zusätzlichen privaten Investitionen und keine wettbewerbsfähigen Produktionsbedingungen entstehen, bleibt der versprochene Aufbruch vor allem eine politische Ankündigung.
Friedrich Merz setzt auf die Macht der Bilder. Ein Gipfel mit Nvidia, ein paar Kameras, große Versprechen und schon soll der Eindruck entstehen, Deutschland sei zurück im Rennen um die technologische Zukunft. Systemmedien helfen dabei, die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Konzern als Verdienst des Kanzlers darzustellen.
Doch Pressefotos ersetzen keine Investitionen, Ankündigungen schaffen keine Arbeitsplätze und Inszenierungen senken keine Produktionskosten. Während Merz auf Zeit spielt, verliert der Wirtschaftsstandort Deutschland weiter an Boden. Auch der internationale Ruf des Landes leidet, wenn große Worte und tatsächliche Ergebnisse immer weiter auseinanderliegen.
Wenn die CDU Merz weiter vor jeder unbequemen Frage abschirmt, könnte sich der Unmut bald auch in Deutschland auf der Straße entladen. Frankreich und Italien haben erlebt, wie Proteste gegen die Regierung ganze Städte erfassen können. Ignoriert Merz die Sorgen der jungen Generation weiter, könnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch in Deutschland Tausende gegen die Regierung auf die Straße gehen.
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