
Thüringens Ministerpräsident braucht künstliche Intelligenz

Auch wenn zu Recht kritisiert wird, dass Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt sich bei seiner Doktorarbeit bei Anderen bedient hat – dass sich Ministerpräsidenten ihre Reden und andere Texte schreiben lassen, ist völlig normal. Anders ist das vermutlich schon zeitlich nicht zu bewältigen.
Aber Voigt beziehungsweise dessen Redenschreiber hat sich erneut bedient, diesmal bei einer Künstlichen Intelligenz. Nachdem bekannt wurde, dass ein vermeintlich von ihm verfasster Gastbeitrag in der Welt überwiegend mithilfe von KI geschrieben wurde, hat sich das Portal Frag den Staat daran gemacht, auch andere unter der Autorschaft von Mario Voigt veröffentlichte Texte zu untersuchen.

So soll ausgerechnet seine Rede beim Gedenkakt für die Opfer der Nazidiktatur am 29. Januar 2025 von einer KI verfasst worden sein. Zu diesem Ergebnis sei das Analyseprogramm Pangram gekommen. "Auf unsere Frage, ob es zutrifft, dass Voigts NS-Gedenkrede vollständig durch KI generiert wurde, antwortete seine Regierungssprecherin nicht", schreibt Frag den Staat.
"Von elf analysierten Reden erkennt das Analysetool Pangram nur bei einem einzigen Text keine Hinweise darauf, dass der Text mit KI erstellt wurde."
Auch die Neujahrsansprache sei einer dieser Fälle. Voigt ist bekannt als Befürworter von KI: "Ich motiviere alle Mitarbeiter unserer Verwaltung, im Jahr 2026 alle modernen Instrumente für ihre Arbeit zu nutzen. Die KI ist längst Teil der modernen Kommunikation", erklärte er gegenüber dem Tagesspiegel. Auf jeden Fall ist jetzt bestätigt, dass seine Mitarbeiter seinen Rat beherzigt haben.
Die Thüringer Staatskanzlei beruft sich auf die aktuelle Rechtslage: "Eine generelle Kennzeichnungspflicht für Texte, die unter Nutzung von KI-Systemen erstellt oder unterstützt wurden (sic!), besteht nicht. Gleiches gilt auch für Textbeiträge in den sozialen Medien."
Ein Beitrag, der per KI für die FAZ geschrieben wurde, wurde von dieser bereits entfernt. Ob auch Voigt entfernt wird, muss sich noch zeigen. Jedenfalls verdichten sich die Hinweise, dass ein humanoider Roboter die KI-Texte vermutlich ebenso gut und deutlich kostengünstiger vortragen könnte.
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