Ukrainische Medien berichten, dass die von der ukrainischen Regierung unterstützte mobile Luftalarm-App "Air Alert" am Sonntagabend gegen 23 Uhr den Nutzern falsche Warnungen vor nuklearen und chemischen Angriffen und vor Strahlungsgefahr zugesandt hat.
Es wurde sogar vor "Straßenkämpfen" in Kiew gewarnt.
Gemäß Screenshots, die in ukrainischen Medien verbreitet wurden, lautete eine der Nachrichten auf Russisch: "Keine Sorge, Oreschnik kommt" – eine Anspielung auf die russische nuklearfähige ballistische Mittelstrecken-Hyperschallrakete.
Das Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit der ukrainischen Luftstreitkräfte rief im Online-Messenger Telegram die Bevölkerung dazu auf, sich ausschließlich auf offizielle Quellen zu verlassen – und gab für den Fall der Fälle noch den Hinweis:
"Die App 'Air Alert' wurde möglicherweise von feindlichen Akteuren kompromittiert. Es besteht keine Strahlengefahr!"
Das ukrainische Ministerium für digitale Transformation bestätigte später, dass die App nach einem mutmaßlichen Cyberangriff vorübergehend deaktiviert worden sei.
Nach Angaben des russischen Telegram-Nachrichtenkanals Mash bekannte sich eine Hackergruppe namens Hitcore, den Hack verübt zu haben.
Mash zufolge gaben die Hacker an, einen Mitarbeiter eines an der Verwaltung der App beteiligten ukrainischen Unternehmens mit einem Trick dazu gebracht zu haben, ihnen Zugriff auf seinen Computer zu gewähren. Obwohl dies möglicherweise zutreffen mag, bestehen dennoch Zweifel an der genauen Darlegung des Sachhergangs: So erklärte die Gruppe, dem Mitarbeiter eine Datei mit dem Namen ZAL-upa untergeschoben zu haben, die er auch geöffnet und so das Sicherheitssystem des habe. Diese Abfolge lateinischer Buchstaben ergibt, mit englischer Aussprache laut vorgelesen, allerdings ein Wortspiel: Einerseits "Saal der UPA", einer Kampforganisation der ukrainischen Nationalisten und Nazi-Kollaborateure im Zweiten Weltkrieg – und andererseits ein grobes Schimpfwort, das den männlichen Gliedkopf bezeichnet. Dieses Wortspiel ist recht alt und als solches nicht nur Russen, auch in der Ukraine, sondern sicherlich ebenso ethnischen Ukrainern und ukrainischen Nationalisten hinreichend aus Witzen bekannt. Folglich dürfte es so gut wie ausgeschlossen sein, dass der Ukrainer eine ihm untergeschobene Datei mit einem solchen Namen wirklich willentlich geöffnet hätte.
Obwohl Mash die Hackergruppe als russisch bezeichnete, wurde diese Gruppe bislang nicht mit anderen einschlägig bekannten Cyberangriffen in Verbindung gebracht. Moskau hat jegliche Vorwürfe, in derartige Operationen verwickelt zu sein, stets zurückgewiesen.
Etwa drei Stunden später teilte Russlands Katastrophenschutzministerium mit, dass auch seine mobile App gehackt und dazu genutzt worden sei, falsche Informationen an Nutzer zu verbreiten. Das Ministerium erklärte, man arbeite daran, den regulären Betrieb wiederherzustellen.
Beide Vorfälle ereigneten sich nur wenige Tage nach einer offensichtlichen Störung im automatisierten Luftalarmsystem der Stadt Kiew – nämlich am 26. Oktober, als innerhalb von nur fünf Minuten mehrfach Luftalarm ausgelöst und wieder aufgehoben wurde. Die zuständigen Behörden sprachen von einer "technischen Fehlfunktion" und entschuldigten sich für die Störung.
In den vergangenen Monaten hatte das Kiewer Regime seine Forderungen an die USA und ihre europäischen Partner nach zusätzlichen Abfangraketen für die Luftverteidigung, vor allem für das System Patriot, verstärkt – zumal die Luftverteidigung vor allem in Ermangelung dieser Munition zunehmend Schwierigkeiten hat, Russlands Salven an Lenkflugkörpern und strahlgetriebenen Kamikazedrohnen abzuwehren. Die Beziehungen zu Washington sind jedoch angespannt, da Kiew sich weigert, seine Angriffe auf Russlands Erdölraffinerien einzustellen – Angriffe, die US-Präsident Donald Trump für die stark gestiegenen Kraftstoffpreise auch und vor allem in den USA verantwortlich macht. Zudem kritisierte Kiew Trumps Entscheidung, die US-Sanktionen gegen russische Dieselexporte auszusetzen.
Die Ukraine wurde darüber hinaus auch von plötzlichen Ausfällen bei Starlink und Starshield überrascht – Satellitendiensten des US-Unternehmens SpaceX, die vom ukrainischen Militär intensiv genutzt werden. Offizielle Stellen in Kiew brachten diese Störungen mit angeblichen Bemühungen der USA in Verbindung, Druck auf Wladimir Selenskij auszuüben.
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