WSJ: Washington will Rückkehr russischen Gases nach Europa

Angesichts der bevorstehenden Wintermonate und der angespannten Lage auf dem europäischen Energiemarkt rückt die Frage russischer Gaslieferungen erneut in den Fokus. Washington erwägt laut dem "Wall Street Journal", den Gastransit über die Ukraine wieder aufzunehmen.

Die USA wollen die Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen nach Europa schnellstmöglich erreichen. Dies berichtet die Zeitung The Wall Street Journal (WSJ) unter Berufung auf Beamte aus Europa, der Ukraine und den USA. Die Lieferungen sollen demnach über ukrainisches Territorium erfolgen. Der Vorschlag sei ein Teil der Verhandlungen über eine mögliche "Energie-Waffenruhe" vor dem Winter.

Den WSJ-Quellen zufolge sei die Idee von den US-Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff bei ihren Reisen nach Moskau und Kiew im September vorgestellt worden. Sie sehe unter anderem vor, dass das russische Gas über einen US-amerikanischen Vermittler verkauft würde. Auf diese Weise könnten die europäischen Sanktionen umgegangen und attraktive Möglichkeiten für US-Investoren geschaffen werden.

Washington bemühe sich dem Bericht zufolge um ein umfassendes Abkommen über die Einstellung der Angriffe auf Energieanlagen. Die Vereinbarung solle vor den für November in Abu Dhabi geplanten trilateralen Friedensverhandlungen zwischen den USA, Russland und der Ukraine erreicht werden. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump setze laut dem WSJ darauf, dass Europa in dieser Frage weniger unnachgiebig sein könnte, als es auf den ersten Blick scheine.

Zudem zögen die USA die Wiederinbetriebnahme der Nord-Stream-Pipeline als wichtigen Bestandteil eines viel größeren Abkommens in Betracht. Dies sollte nicht nur zur Beilegung des Ukraine-Konflikts beitragen, sondern auch die Spannungen zwischen Russland und Europa abbauen. Ein hochrangiger US-Beamter erklärte gegenüber dem WSJ, der Fehler der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel habe darin bestanden, das Pipelineprojekt vorangetrieben zu haben, ohne zuvor mit Russland eine umfassendere und für Moskau akzeptable Sicherheitsvereinbarung auszuhandeln.

Europäische Vertreter hätten Interesse an dem Vorschlag gezeigt, der die Gaspreise auf dem Kontinent deutlich senken könnte, sagte ein Gesprächspartner gegenüber dem WSJ. Er fügte hinzu, alle Energievereinbarungen würden Teil eines umfassenden Friedensabkommens werden.

Die Zeitung weist zudem darauf hin, dass die Europäische Union zuvor beschlossen habe, die Einfuhr von russischem Gas deutlich einzuschränken und sie bis Ende nächsten Jahres sogar vollständig zu verbieten. Die derzeitige offizielle Position der EU lautet, dass sie auch nach einem umfassenden Friedensabkommen mit Russland keine russischen Gaslieferungen wieder aufnehmen wird. Das WSJ betont aber, für Europa wäre ein Kurswechsel leichter, wenn Kiew dem Gasverkauf im Rahmen eines Waffenruhe-Abkommens zustimmen würde.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte zuvor mehrfach erklärt, dass Russland den Verkauf von Energieressourcen nach Europa nie verweigert habe. Europa habe seinerseits die günstigen Lieferungen abgelehnt und damit seiner eigenen Politik, Industrie und seinem Sozialwesen geschadet. Bereits am 4. Juni 2026 hatte der russische Präsident auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg gesagt, die Gaslieferungen über den verbliebenen Strang von Nord Stream 2 könnten jederzeit wieder aufgenommen werden: Es reiche aus, "einen Knopf zu drücken", so Putin.

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