Ring frei für Vance vs. Rubio: Kampf um Trump-Nachfolge ist eröffnet

Donald Trump laufen die Wähler davon. Im Hintergrund tobt schon der Kampf um die Nachfolge. Die aussichtsreichsten Kandidaten könnten gegensätzlicher nicht sein. Und können doch nicht ohne einander...

Von Kalliopi Sioltsidou

Donald Trump hat derzeit sicherlich viele Probleme. Doch eines davon ist, dass ihm die Basis davonläuft. Angesichts der bevorstehenden Midterms im Herbst und zu vielen Bränden, die nicht mehr vor der Wahl gelöscht werden dürften, ist das prekär: ein schwindelerregendes Haushaltsdefizit, das wächst und wächst, steigende Spritpreise und vor allem ein neuer Krieg gegen Iran, den die US-Amerikaner nicht wollten. Diese Themen dominieren den Diskurs und überwiegen gegenüber eingelösten Wahlversprechen wie der Eindämmung illegaler Migration und der Bekämpfung der Wokeness. Das Feuer in Iran möglichst schnell wieder zu löschen, ist für Trump – und die Republikaner generell – eine Frage des politischen Überlebens.

Vance als America-first-Hoffnung?

Viele waren überrascht, dass die Delegation für die Friedensverhandlungen mit Iran weder von Außenminister Marco Rubio noch einer der hochrangigen Berater des Präsidenten geleitet wurde, sondern von Vizepräsident JD Vance – der begleitet wurde von Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner und Steve Witkoff.

Über die Gründe wurde viel spekuliert. CNN berief sich auf Quellen, wonach Iran nicht mit Kushner und Witkoff habe verhandeln wollen, weil man in Teheran nicht an deren Willen zum Frieden glaube. Angesichts der klar proisraelischen Position Kushners und Witkoffs ist dies kein unwahrscheinliches Szenario.

Die Washington Post betonte das Signal, das davon ausgehe, dass der ranghöchste Beamte nach Trump selbst persönlich an den Verhandlungen teilnehme: Es demonstriere die Relevanz, die der Aufgabe beigemessen werde. Wieder andere spekulierten über fehlende Verhandlungskompetenz Witkoffs und Kushners oder verweisen auf andere Verpflichtungen Rubios. Dieser war parallel mit den Verhandlungen über den Libanon und Israel in Washington betraut.

Nur wenige Stimmen sahen den Einsatz von Vance als einen Indikator, dass es der Vizepräsident ist, der am ehesten den Kurs den Präsidenten vertritt – und der sich als glaubwürdiger "America first"-Vertreter strategisch profilieren muss, wenn er nach dem bei der MAGA-Basis mehr als unpopulären Irankrieg das Ruder für die Republikaner herumreißen möchte.

Der Wahlkampf ist eröffnet: Sponsoren gegen Basis

Denn in den USA ist die nächste Wahlkampfsaison schon wieder eröffnet – und zwar nicht nur wegen der Midterms im Herbst. Auch der Kampf um die Nachfolge Trumps hat bereits inoffiziell begonnen. Und der ist ausgesprochen spannend.

Auf der letzten CPAC, einer jährlichen Konferenz konservativer Politiker, Aktivisten und Kommentatoren, gab es ein neues Polling der Präsidentschaftskandidaten für 2028. Dabei lag Vance mit 53 Prozent deutlich vor Rubio mit 35 Prozent. Dieser hat jedoch deutlich aufgeholt: Im Vorjahr hatte er nur bei drei Prozent gelegen.

Sein Aufholen zeigt die interessante Bruchlinie in der republikanischen Partei. Denn Rubio gilt als Falke, als Neocon, Vance hingegen als überzeugter America-first-Vertreter – der keine Auslandseinsätze befürwortet, die die USA nur kosten, aber nichts nützen. Trump hatte, um alle Lager der Partei zufriedenzustellen, eigentlich sehr geschickt jeden Neocon in seinem Regierungsteam mit MAGA-Anhängern umzingelt: Rubio als Außenminister, Pete Hegseth als Kriegsminister, Scott Bessent als Finanz- und Robert Lutnick als Handelsminister. In der Praxis hat diese Taktik allerdings nichts bewirkt, da Trumps Kurs gar nicht von innen heraus, sondern durch Israel und Trumps proisraelische Großspender empfindlich gestört wurde.

Die Sponsoren zahlen, aber die Wähler wählen

Beim Volk kommt Vance – der dem entspricht, was man in Trump einst sah und nun verloren glaubt – gut an. Die ehemalige Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene, die sich von Trump abgewendet hat, lobt den Vizepräsidenten für seine Bemühungen um einen Frieden mit Iran. Anonyme Quellen in einer NBC-News-Story berichten jedoch, dass die Großspender Trumps Rubio den Vorzug vor Vance geben. Warum, ist nicht überraschend: Ein sehr großer Teil von Trumps Großspendern stammt entweder aus der proisraelischen oder der Exilkubaner-Community. Beide haben eine Agenda, die sich mit einem Falken wie Rubio, der zudem noch kubanischer Abstammung ist, eher deckt als mit einem eher antiintervionistischen America-first-Politiker wie Vance. Die Sponsoren wollen also das eine, die Wähler das Gegenteil. Das Problem: Die Sponsoren zahlen, die Wähler wählen. Es geht nur mit beidem. Viele halten daher ein Vance-Rubio-Ticket für wahrscheinlich – oder ein Rubio-Vance-Ticket.

Zunächst aber gilt es, das nach Epstein Files, Maduro-Kidnapping, Grönland-Ambitionen und Irankrieg bei den Wählern arg beschädigte Image für die Zwischenwahlen wiederherzustellen und sich zugleich in eine aussichtsreiche Position für 2028 zu bringen. Und dafür ist Vance unabdingbar, der durch die Verhandlungen mit Iran ein glaubhaftes America-first-Image zu verkörpern versucht. Dass gerade Vance diesen Konflikt am besten so schnell wie möglich beilegt, ist vielleicht die Voraussetzung überhaupt für einen Wahlsieg 2028.

Zugleich muss man sich weiter die Unterstützung derer sichern, die die nächsten Wahlkämpfe kräftig mitfinanzieren. Mit anderen Worten: Es muss Trump gelingen, das eine zu tun – und gleichzeitig dessen Gegenteil. Wie das aber aussieht, sehen wir gerade – und bislang wirkt es nicht so, als käme dabei ein Bild heraus, dass irgendwen überzeugt. Eher sehen wir eine völlig widersprüchliche Außenkommunikation, die Wähler wie unbeteiligte Dritte nur verwirrt.

Der aktuelle Kampf zwischen beiden Lagern, der sich an den Personalien Vance und Rubio herauskristallisiert, ist eigentlich keiner, der zu entscheiden ist. Idealerweise würden sie sich wie Ying und Yang verbinden – und das ist vermutlich beabsichtigt. Doch nicht immer geht das. Manchmal kommt einfach ein ungenießbarer Brei aus Dingen heraus, die nicht in denselben Topf gehören. Am Ende des Tages wird man sich entscheiden müssen: Macht man Politik für die Sponsoren? Oder für seine Wähler?

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