Scharfe Kritik am Staatenbündnis: "Die Leiche der BRICS vorbeiziehen sehen"

Der kubanische Autor Josue Veloz Serrade wirft dem Block vor, in seiner Abschlusserklärung zum 18. Gipfeltreffen zwar Krisen der Welt zu erwähnen – unter anderem Gaza, Iran, Kuba –, jedoch weder den Hauptverantwortlichen der Gewalt zu benennen noch konkrete Maßnahmen zu ergreifen.

Von Josue Veloz Serrade

"Der Bericht über meinen Tod war eine Übertreibung" (Mark Twain)

"Es ist nicht Sache der Revolutionäre, vor ihrer Haustür zu sitzen, um die Leiche des Imperialismus vorbeiziehen zu sehen" (Zweite Erklärung von Havanna)

Vom kubanischen Volk an die Völker Amerikas und der Welt

Es gibt Dokumente, die man liest, und Dokumente, die man wie Autopsien durchführt. Die Abschlusserklärung des letzten BRICS-Gipfels – Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, denen sich sechs weitere Länder, darunter Iran, angeschlossen haben – gehört zur zweiten Art. Ich las sie vollständig, fast endlos, wie jemand, der in einer Sterbeurkunde nach der Todesursache sucht, und fand ein leeres Feld von der Größe einer Hemisphäre.

Das Dokument enthält alles: Handel, Klima, Finanzen, Regierungsführung und – als überragenden Punkt – Vereinbarungen zur Zusammenarbeit bei der Förderung von Heilpflanzen. Die kooperative Phytotherapie als Horizont der Integration. Ich ging Blatt für Blatt vor, dem Ende immer näher, überzeugt, dass nach so viel Papier das Einzige kommen würde, was zählt: die Maßnahmen. Ich fand einen Katalog. Die Erklärung war nicht leer; tatsächlich war sie voll von allem anderen.

Ein abwesender Name

Die Auflistung des Erwähnten spricht Bände. Gaza wird in Solidarität gehüllt dargestellt. Kuba wird von Solidarität umgeben dargestellt. Israel wird genannt. Vom israelisch-palästinensischen Konflikt ist die Rede; es fehlte nur noch, dass im Interesse der Ausgewogenheit auch Palästina als aggressiver Gegenpart aufgeführt worden wäre.

Was in der Darstellung dieser Krisen nicht vorkommt, sind die USA als Urheber der Gewalt, die das Dokument angeblich eindämmen will. Der Text weist zwar auf die Blockade gegen Kuba hin und verurteilt die einseitigen Sanktionen, aber wenn es zu dem Punkt kommt, den Verantwortlichen für die Eskalation zu benennen, löst sich der Name in Luft auf. Man kann Seite um Seite über Konflikte sprechen, die vermieden werden müssen, über Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen, über Multilateralismus und Multipolarismus, ohne jemals den Namen dessen auszusprechen, der sie überschreitet.

Den Trick kennen wir schon: die ewige Gewohnheit, sich zu weigern, den Aggressor zu benennen, um am Ende in der Passivform zu sprechen. Konflikte, die vermieden werden müssen – von wem? Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen – von wem? Akteur: offenbar keiner.

Die Form des Dokuments ist die des Rückzugs. Die Opfer werden mit der Genauigkeit von Todesanzeigen genannt, und der Henker bleibt eine Art verdrängtes Symbol, das den gesamten Text durch seine Abwesenheit strukturiert.

Ein Opfer zu erwähnen, ohne den Urheber der Gewalt zu nennen, kann nicht als Anklage angesehen werden; die Erwähnten werden zu einem Objekt der Wohltätigkeit gemacht. Und die Völker sollten nicht um die ihnen zustehenden Rechte betteln müssen.

Eine Phantom-Erklärung

Ich gebe zu, dass ich bis zum Schluss gewartet habe. Ich dachte: Nach so viel Papier wird der Abschluss vier Maßnahmen enthalten, die so viele Worte mit Inhalt füllen.

Ich habe versucht, sie im Voraus im Kopf zu formulieren:

1. Ein humanitärer Korridor, gesichert durch Streitkräfte verschiedener Länder des Blocks rund um den Gazastreifen, und eine Schutzmacht im Südlibanon gegen neue zionistische Bombardements.

2. Forderung nach einem Strafverfahren, um die Verantwortung der USA gegenüber Iran für die Angriffe auf die Zivilbevölkerung und andere Verstöße gegen das Völkerrecht zu untersuchen. Und Forderung nach Entschädigung,

3. Forderung nach sofortiger Freilassung von Nicolás Maduro und Cilia Flores, die am 3. Januar von US-Streitkräften gefangen genommen und in die USA gebracht wurden.

4. Eine ausreichende Ölflotte, geschützt durch die Marinen verschiedener Nationen, auf dem Weg nach Kuba und ein alternativer Finanzmechanismus, der es der Insel ermöglicht, zu gleichen Bedingungen Zugang zu den Handelsströmen der Welt zu erhalten.

Dies als Anfang: Mindestgesten, um deutlich zu machen, dass wir es tatsächlich mit einem neuen Machtpol zu tun haben. Ich bin am Ende der Erklärung angelangt. Keiner der vier Punkte tauchte auf. Weder sie noch irgendetwas, das ihnen ähnelt.

Man beachte, was sie gemeinsam haben.

Erstens würden alle vier dazu zwingen, den fehlenden Namen auszusprechen. Zwei davon würden ihn direkt als Verantwortlichen oder Beschuldigten nennen, und die anderen beiden beschreiben Auswirkungen seiner Handlungen, aber in keinem Fall lassen sie sich formulieren, ohne "die USA" zu sagen.

Zweitens kosten alle vier etwas – Schiffe, Gerichte, militärischen Schutz, ein Finanzsystem – und die Solidarität, die nichts kostet, ist nicht nichts wert, sondern viel weniger.

Drittens beziehen sich alle vier, eine nach der anderen, auf die Opfer, die das Dokument tatsächlich nennt – Gaza, Libanon, Iran, Venezuela, Kuba – und verwandeln ihre tugendhaften Worte in Taten: schützen, anklagen, einfordern, garantieren.

Die Erklärung nennt die Opfer; die Maßnahmen hätten sie verteidigt. Nennen ist nicht gleich verteidigen. Und was kommt dabei heraus, wenn ein Block nur zu nennen versteht?

Die ausgelassenen Fakten

Das Schwerwiegendste daran ist, dass es dem Gipfel nicht an Themen mangelte. Er wurde einberufen, um über Resilienz zu sprechen – in einem Kontext, der geprägt war von der Gefangennahme von Nicolás Maduro und Cilia Flores, die aus Venezuela entführt und in die USA gebracht wurden, vom Konflikt um die Kontrolle über das venezolanische Öl und von einem Krieg gegen Iran, der erneut eskalierte, während die Verhandlungen noch im Gange waren.

Die Intervention der USA in Bezug auf das venezolanische Öl beeinträchtigt nicht nur die Souveränität Venezuelas, sondern hat Auswirkungen auf die Souveränität der gesamten Region. Und wenn man diesen Zugriff auf das Öl im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Iran versteht, wird eine Machtstruktur sichtbar, die die Erklärung zumindest hätte hinterfragen müssen. Der Zusammenhang zwischen diesen beiden Ereignissen ergibt sich nicht allein aus ihrer bloßen Gleichzeitigkeit. Umso schwerwiegender ist es, dass das Dokument diesen Zusammenhang nicht einmal thematisiert.

Genau diese Dinge hätte das Dokument benennen müssen. Keines erscheint mit der politischen Präzision, die sie erfordern. Stattdessen taucht der Begriff "Resilienz" auf: das Wort für diejenigen, die sich an die vollendeten Tatsachen anpassen. "Widerstand" ist das Wort für diejenigen, die sich weigern, diese zu akzeptieren. Man entschied sich für "Resilienz", weil man das Wort "Widerstand" nicht mehr aussprechen konnte. Man kann sich auch biegen, ohne zu brechen – nennen wir es Resilienz und unterzeichnen wir.

Die beiden Ausreden für die Geduld ohne Wut

Zwei Ausreden stützen diese Strategie der Untätigkeit. Die erste wird "strategischer Rückzug" genannt. Es ist der Euphemismus, der für eine schrittweise Kapitulation erfunden wurde. Die Funktionsweise ist einfach: Jede rote Linie, die das Raubtier überschreitet, wird mit feierlicher Würde weiter hinten neu gezogen. Man nennt es Rückzug, weil ein Zurückweichen, ohne zu sagen, dass man zurückweicht, besser klingt.

Die BRICS waren nie ein Militärbündnis. Sie haben keine Klausel zur gemeinsamen Verteidigung. Ihre zurückhaltende Haltung ist strukturell bedingt. Dem stimme ich uneingeschränkt zu. Ich werfe dem Block nicht vor, keine Armee zu sein. Ich werfe ihm vor, mit dem Vokabular eines Pols zu sprechen – Grenzen, Multipolarität, Ordnung – und die Weigerung, es im Imperativ zu verwenden, wenn die Zeit gekommen ist.

Die vier Maßnahmen auf meiner Liste waren keine externe Agenda, sondern die bewusst strenge Umsetzung der Worte des Dokuments selbst. Ein Pol, der keine Grenzen setzt, ist ein Markt. Was auf diesem Gipfel begraben wurde, ist nicht das Handelsforum, sondern der Anspruch, ein Pol zu sein. Beginnen wir damit, dem entgegenzuwirken, was offenbar die neue Krankheit dieser Zeit sein wird: die Polomanie.

Die zweite Ausrede heißt Niedergang. Es vergeht kein Monat, es vergeht keine Woche, ohne dass eine inhaltsschwere Analyse erscheint, die bekräftigt, dass die USA eine im Niedergang begriffene Großmacht sind. Die Theorie ist das perfekte Alibi für den Rückzug: Wenn das Raubtier von allein im Streben liegt, muss man es weder beim Namen nennen noch ihm entgegentreten oder irgendetwas riskieren – es reicht, mit der Geduld der Erben auf das Erbe des Verstorbenen zu warten.

Die Multipolarität hat längst aufgehört, eine Politik zu sein, und ist zu einem messianischen Warten auf den Zusammenbruch eines anderen geworden.

Deshalb kann das Dokument den Namen vermeiden; in dieser Theologie gehört dieser Name bereits den Verstorbenen.

Das Genre blickt auf ein halbes Jahrhundert gescheiterter Nachrufe zurück – Paul Kennedy kündigte den Niedergang der USA bereits 1987 an. Der Niedergang existiert. Er lässt sich am Anteil am Weltbruttoinlandsprodukt messen: Absturz von rund vierzig Prozent auf weniger als ein Viertel in sechs Jahrzehnten.

Aber die Hegemonie über eine Hemisphäre lässt sich mit weitaus weniger ausüben, es genügen eine Marine, der Dollar und eine Sanktionsmaschinerie. Die im Niedergang begriffene Großmacht hat unlängst den Präsidenten Venezuelas festgenommen und greift auf die Ressourcen des Landes zu. Ihr Niedergang ist Angelegenheit der Historiker des 22. Jahrhunderts, ihre Macht ist Angelegenheit dieses Tages.

Die Ausnahme, die einen Patienten im künstlichen Koma beatmet

Wenn die BRICS noch nicht begraben wurden, dann nicht dank der Gipfel-Erklärung, sondern weil Iran am Tag der Invasion die in dem Dokument vorherrschende Spitzfindigkeit des strategischen Rückzugs nicht als eigene Doktrin übernommen hat.

Unter den Mitgliedern des Blocks ist es Iran, der in dieser Situation die Idee, dass Souveränität eine Reaktion erfordert, die die imperialistische Gier eindämmen kann, am weitesten vorangetrieben hat. Es ist Iran, der die Rhetorik einer multipolaren Ordnung durch sein eigenes Handeln ernst genommen hat. Würde die rotierende Präsidentschaft messen, wer den Block tatsächlich stützt, müsste der Vorsitz nach Teheran wechseln.

Der Block lebt fast auf Pump. Er lebt von der Spannung zwischen dem, was er verkündet, und dem, was er zu tun bereit ist. Inwieweit kann sich ein Block auf den Glauben derer stützen, die sich nicht dazu bekennen?

Während der halbe Planet den Nachruf auf eine Macht verfasst, die nicht stirbt, wollte auf dem Gipfel niemand die Sterbeurkunde für ein Versprechen unterzeichnen, das bereits tot ist. Das war die Leiche, die an uns vorbeizog, und nicht die, auf die alle blicken; nicht die von Washington, über die Analysten seit einem halben Jahrhundert Wache halten, sondern die der Multipolarität als Versprechen. Gestorben am Nominalismus. Gestorben an Passivität. Gestorben – so traurig es auch ist, dies zu sagen und zu bestätigen – an Heilpflanzen.

Verzweifelt nicht, Leserinnen und Leser, wenn dieser und der nächste Monat voller inhaltsschwerer Analysen über den Niedergang sein werden. Ich habe bereits meine Trauerarbeit geleistet.

Manchmal denke ich, dass wir alle schon tot sein werden, wenn die USA ihren Niedergang endgültig vollendet haben. Und unsere Leiche wird die des Versprechens sein, das niemand zu verteidigen wagte.

Übersetzt aus dem Spanischen von Olga Espín

Der Autor Josue Veloz Serrade aus Kuba ist Psychologe, Forscher und Essayist. Er ist Mitglied des Redaktionsrats der kubanischen digitalen Zeitschrift La Tizza.