Eurasien rückt weiter zusammen: Iran nähert sich Fertigstellung der Bahnstrecke Tschahbahar–Zahedan

Ein zentrales Eisenbahnprojekt im Südosten Irans steht kurz vor der Fertigstellung – und könnte Indien einen neuen Handelsweg nach Zentralasien und Afghanistan eröffnen, der Pakistan umgeht und zugleich die umkämpfte Straße von Hormus meidet.

Iran hat die Gleise auf dem südlichen Abschnitt der Bahnstrecke Tschahbahar–Zahedan fertig verlegt und damit eine wichtige Lücke auf der Route geschlossen, die den Hafen Tschahbahar am Golf von Oman mit Zahedan nahe der afghanischen Grenze verbinden soll. Wie der iranische Eisenbahnvertreter Abbas Khatibi vergangene Woche mitteilte, betrifft das den 480 Kilometer langen Schlüsselabschnitt zwischen Tschahbahar und Chasch. Da die nördlichen Abschnitte bereits an das bestehende Eisenbahnnetz angebunden sind, bereiten die iranischen Behörden die Strecke nun auf den Betrieb vor und führen abschließende Sicherheitsprüfungen durch. Nach Angaben von RT India soll der Vollbetrieb in drei bis vier Monaten aufgenommen werden.

Die Verbindung Tschahbahar–Zahedan ist rund 630 Kilometer lang. Einschließlich der Zweigstrecken beträgt ihre Gesamtlänge etwa 735 Kilometer. Das Projekt umfasst 33 Bahnhöfe, 39 Tunnel und 201 Brücken. Die Strecke ist eine Verlängerung des größeren Internationalen Nord-Süd-Transportkorridors (INSTC), den Indien, Iran und Russland unterstützen. Der Bau der Bahnstrecke erstreckte sich über mehrere Jahrzehnte und wurde unter anderem durch westliche Sanktionen gegen Iran und Russland erschwert.

Der Meilenstein fällt in eine Zeit, in der der Nahostkonflikt traditionelle Transport- und Energierouten in der Region stört. Tschahbahar hat direkten Zugang zum Indischen Ozean, ohne dass Schiffe die Straße von Hormus passieren müssen ‬‒ einen wichtigen Engpass, der vom Konflikt betroffen ist. Im Juli hatte der Konflikt Tschahbahar selbst erreicht, als US-Streitkräfte einen Überwachungsturm am benachbarten, mit dem Projekt verbundenen Terminal Schahid Kalantari trafen. Indien erklärte, das Terminal sei nicht beschädigt worden.

Für Indien stärkt die Verbindung Tschahbahar–Zahedan eine Handelsroute, die Afghanistan und Zentralasien erreicht, ohne Pakistan zu durchqueren. Fracht, die auf dem Seeweg in Tschahbahar eintrifft, könnte über das iranische Bahn- und Straßennetz weiter ins Landesinnere zu den Binnenmärkten der Region gelangen.

Indiens Rolle in Tschahbahar wird durch US-Sanktionen erschwert. Eine bedingte Ausnahmegenehmigung für das Projekt, in das Indien rund 120 Millionen US-Dollar investiert hat, lief im April aus. Neu-Delhi erklärte, es führe dazu Gespräche mit Teheran und Washington, und bezeichnete den regionalen Konflikt als "erschwerenden Faktor".

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