79. Weltgesundheitsversammlung in Genf ‒ Beginn nach Ausruf eines globalen Gesundheitsnotstands

Vor der WHO-Versammlung in Genf ruft die WHO einen globalen Gesundheitsnotstand aus. WHO-Direktor Tedros Ghebreyesus erklärte, Ebola könne sich über den Kongo hinaus ausbreiten: "Die Nachbarländer tragen ein hohes Risiko einer weiteren Ausbreitung." Medien zufolge würde der Umgang mit Ebola die Tagesordnung der WHO beherrschen.

Am Montag begann in Genf die 79. Weltgesundheitsversammlung. Vom 18. bis 23. Mai treffen sich Delegationen aus allen 192 WHO-Mitgliedern. Dabei handelt es sich um sämtliche UN-Mitgliedstaaten mit Ausnahme von Argentinien, Liechtenstein und den Vereinigten Staaten.

Von 2025 bis 2028 gilt es, die Globale Gesundheitsstrategie beziehungsweise das vierzehnte Allgemeine Arbeitsprogramm (GPW 14) umzusetzen, das die WHO bereits auf ihrem 77. Treffen im Mai 2024 festgelegt hatte. Darin wurden Maßnahmen definiert, um die Gesundheitssysteme auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten.

Die Versammlung finde vor dem Hintergrund "der Sorge über tödliche Hantavirus- und Ebola-Ausbrüche" statt, kommentierte das türkische Nachrichtenportal Hürriyet Daily News am Montag. Offiziell stehen die Virusausbrüche nicht auf der diesjährigen Tagesordnung. Dennoch werde erwartet, dass sowohl der Hantavirus- als auch der Ebola-Ausbruch angesichts der aktuellen Lage als Schwerpunktthema diskutiert würden.

Es gebe allerdings auch Indizien dafür, dass man seitens der WHO die Ausbrüche dazu nutzen wolle, "Druck [auf die Vereinigten Staaten und Argentinien] auszuüben, damit sie nicht austreten". Dies habe eine diplomatische Quelle gegenüber Hürriyet Daily News mitgeteilt.

Nachdem die USA und Argentinien ihre Austritte angekündigt hatten, musste die WHO aufgrund von Mittelkürzungen ihren Personalbestand reduzieren. Ende April habe WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus betont: "Wir sind jetzt auf einem stabilen Kurs und kommen voran."

Doch laut Suerie Moon, der Co-Direktorin des Global Health Centre am Graduate Institute in Genf, sei die Lage "nach wie vor fragil". Es sei aber gelungen, den Großteil der Mittel zu mobilisieren, die für die nächsten zwei Jahre benötigt würden. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte sie, dass die Welt angesichts der Hantavirus-Krise eine zuverlässig finanzierte WHO brauche.

Die Hantavirus-Krise habe "deutlich gezeigt, warum die Welt eine effektive, vertrauenswürdige, unparteiische und zuverlässig finanzierte WHO braucht."

Innerhalb der Mitgliedsländer bestehen weiterhin erhebliche Meinungsverschiedenheiten über den Umgang mit Pandemien. Ein Teil der Länder blockiert nach wie vor den WHO-Pandemievertrag. Die Verhandlungen dazu sollen um ein weiteres Jahr verlängert werden.

Während dem Exekutivrat der WHO im Januar dieses Jahres ein Antrag zur Genehmigung des Austritts von Argentinien vorgelegt wurde und die Länder darüber voraussichtlich während der Versammlung beraten werden, wird über den Austritt der USA kein Wort verloren. Andeutungen von Diplomaten zufolge herrsche weitgehende Einigkeit darüber, eine Grauzone bestehen zu lassen, ob die USA tatsächlich ausgetreten seien. Unter der Bedingung der Anonymität habe ein europäischer Diplomat erklärt: "Wir hoffen, dass es für die USA still und leise über die Bühne geht."

Kurz vor der WHO-Konferenz hat die WHO am Sonntag einen Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo zu einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite erklärt. Das berichtete unter anderem die Morgenpost. Es handelt sich um die höchste Warnstufe, die die WHO für einen Virusausbruch ausrufen kann. Nach Angaben der WHO seien bislang rund 246 Verdachtsfälle und 80 Todesfälle gemeldet worden, so die Zeitung. Die Gesundheitsbehörde warne daher, der Ausbruch könne "deutlich größer" sein als die offiziellen Zahlen vermuten ließen.

Laut WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus handle es sich zwar nicht um einen Pandemie-Alarm, es bestehe jedoch die Gefahr, dass sich die Viruskrankheit über die Grenzen des Kongo hinaus ausbreite. Tedros erklärte: "Der Ausbruch erfüllt nicht die Kriterien für einen Pandemie-Notfall, aber die Nachbarländer tragen ein hohes Risiko einer weiteren Ausbreitung."

Mehr zum Thema ‒ Bordeaux: Kreuzfahrtschiff mit 1.700 Menschen in Quarantäne ‒ Norovirus grassiert