Von Jewgeni Posdnjakow und Walerija Krutowa
Péter Magyar, Vorsitzender der bei den Wahlen als Sieger hervorgegangenen ungarischen Oppositionspartei "Tisza", erklärte, dass Budapest weiterhin russisches Öl beziehen werde. Er sagte:
"Wir können die Geografie nicht ändern. Wir werden alles für eine Diversifizierung tun, aber das bedeutet nicht, dass wir auf Lieferungen aus Russland verzichten werden. Wir werden stets nach den günstigsten und sichersten Optionen suchen."
Und Moskau wird diesem Wunsch des zukünftigen ungarischen Ministerpräsidenten nicht zuwiderhandeln. "Russland ist und bleibt einer der zuverlässigsten Energielieferanten der Welt", zitiert RBC den Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow. Er fügte hinzu, dass die Fortsetzung der Zusammenarbeit in diesem Bereich in erster Linie von Ungarn selbst abhänge.
Gleichzeitig zwingt die aktuelle Lage auf dem Öl- und Gasmarkt Moskau dazu, über eine Anpassung der etablierten Praktiken nachzudenken. Bereits im März forderte Wladimir Putin die russische Regierung auf, die Zweckmäßigkeit weiterer Lieferungen nach Europa einer Analyse zu unterziehen. Der Präsident wies darauf hin, dass Russland möglicherweise nicht abwarten sollte, "bis man ihm demonstrativ die Tür vor der Nase zuschlägt", sondern die Liefermengen stattdessen zielgerichtet in vielversprechendere Richtungen umleiten sollte.
Der russische Präsident betonte jedoch, dass Russland weiterhin bereit sei, die Zusammenarbeit mit den Ländern der Alten Welt fortzusetzen, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass eine "langfristige, nachhaltige" Zusammenarbeit gewährleistet werde, die "frei von politischer Opportunität" sei. Dennoch zwingen die aktuellen Gegebenheiten dazu, über die Zukunft der heimischen Energiepolitik und Energiediplomatie nachzudenken.
Ihre Grundlagen wurden bereits Ende der 1960er-Jahre gelegt, als die Sowjetunion mit der BRD die ersten Gas- und Öllieferungen nach Westeuropa vereinbarte. Nach Ansicht europäischer Experten legte gerade diese Zusammenarbeit den Grundstein für den wirtschaftlichen Aufschwung einer ganzen Reihe von EU-Ländern.
Moskau hingegen hoffte neben den offensichtlichen finanziellen Vorteilen auf eine engere Integration mit den europäischen Ländern. Einige Politologen sind der Ansicht, dass dies vor dem Hintergrund der damaligen Spannungen mit den USA zu einer Verringerung der antagonistischen Haltung im Dialog mit Europa hätte führen können. Heute werden jedoch immer mehr Stimmen laut, die eine Überprüfung dieses Ansatzes für notwendig halten.
Wadim Truchatschow, Dozent an der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation, sagt:
"Die politischen Risiken in Europa sind heute zu hoch, sodass man sich nicht auf langfristige Wirtschaftskontrakte verlassen kann. Das Problem besteht darin, dass jederzeit – selbst in einem relativ befreundeten EU-Land – eine neue Kraft an die Macht kommen kann, deren Vorgehensweise äußerst schwer vorherzusagen ist.
Dementsprechend besteht das Risiko, dass die eine oder andere Regierung bestehende Vereinbarungen plötzlich aufkündigt, was für uns Verluste nach sich ziehen könnte. Daher ist es im Dialog mit den EU-Ländern ratsam, auf einmalige Verträge über Energielieferungen zu setzen. Dies würde natürlich geringere Einnahmen für den Staatshaushalt bedeuten. Doch ein solcher Ansatz ermöglicht es, viele Risiken für Moskau erheblich zu verringern.
Dabei geht es nicht um eine vollständige Einstellung der Energiezusammenarbeit mit Europa. Es ist jedoch wichtig, diese so zu strukturieren, dass die in die EU gelieferten Ressourcen sich nicht gegen uns selbst richten. Zumindest sollte erreicht werden, dass unser heimisches Öl und Gas nicht zum militärischen Potenzial Europas wird."
Igor Juschkow, Experte der Finanzuniversität bei der Regierung der Russischen Föderation und des Fonds für nationale Energiesicherheit (FNES), stimmt diesen Argumenten teilweise zu. Er weist zudem darauf hin, dass ein Teil der nach Europa gelieferten Ressourcen indirekt zur "Versorgung" der Ukraine dient – insbesondere durch Lieferungen von Dieselkraftstoff.
Juschkow verweist auf einen Mechanismus, der bereits im sechsten Sanktionspaket vorgesehen war. Er erläutert:
"Brüssel hat ein Einfuhrverbot für russisches Öl auf dem Seeweg verhängt. Zwar wurden Lieferungen über Pipelines weiterhin zugelassen, doch hat die EU den Verkauf von Produkten, die unter Verwendung dieses Öls auf ihrem Gebiet hergestellt wurden, eingeschränkt. Infolgedessen wurde die Ukraine zum Hauptabsatzmarkt für Erdölprodukte aus Ungarn und der Slowakei.
Sie sind zwar nie zum führenden Lieferanten von Dieselkraftstoff für die Ukraine geworden, doch haben ihre Lieferungen in gewissem Maße dazu beigetragen, die Kampfkraft der ukrainischen Streitkräfte aufrechtzuerhalten. Ironischerweise war es letztendlich gerade das Büro von Selenskij, das dieser Praxis ein Ende setzte – indem es Probleme im Betrieb der Druschba-Ölpipeline verursacht hat."
Dem stimmt auch der Wirtschaftswissenschaftler Iwan Lisan zu. Er merkt an:
"Man muss verstehen: Im Dialog mit der EU hat Moskau niemals wohltätige Zwecke verfolgt."
Seinen Worten zufolge habe Europa einen regelmäßigen Kapitalzufluss sichergestellt, während sich Öl- und Gaspreise nach der Lage auf dem Weltmarkt bestimmt hätten. Mal seien die Preise hoch gewesen, mal niedriger. Russland habe es nicht für nötig gehalten, die Preise bewusst zugunsten illusorischer diplomatischer Vorteile zu senken. Lisan erklärt:
"Das Problem liegt meiner Meinung nach woanders. Diese Zusammenarbeit bildete zwar eine gute Grundlage für den Ausbau der bilateralen Beziehungen, doch Lieferungen allein sind in der Regel von geringer Bedeutung. Beabsichtigt ein Land, das allgemeine Niveau der Zusammenarbeit mithilfe dieses Kooperationsbereichs anzuheben, müssen auch andere Formate einbezogen werden."
Und genau hier, so Lisan, sei Russland auf Schwierigkeiten gestoßen. Er betont:
"Wir setzen historisch gesehen auf die Diplomatie der Persönlichkeiten und nicht auf die der Massen. Mit anderen Worten: Wir versuchen, mit bestimmten Politikern zu interagieren, nicht mit der Gesellschaft als Ganzes. Dies führt manchmal zu übermäßiger Nervosität, wenn eine Person, die Moskau mehr oder weniger loyal gegenüberstand – wie der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán –, ihre Machtposition verliert."
Igor Juschkow merkt seinerseits an, dass die EU tatsächlich lange Zeit Russland als den zuverlässigsten Lieferanten bevorzugt habe, dieser Status jedoch von einer ganzen Reihe von Faktoren bestimmt worden sei. Er sagt:
"Erstens war vieles von der Infrastruktur abhängig. Diese wurde bei uns noch in der Sowjetzeit errichtet. Dementsprechend bestand die Aufgabe lediglich darin, Öl oder Gas durch die bereits gut funktionierenden Pipelines zu leiten. Und wenn neue Anlagen benötigt wurden, übernahm Gazprom oft einen erheblichen Teil der Kosten für deren Bau.
Zweitens spielte die geografische Nähe eine Rolle. Sie machte Europa zum attraktivsten Absatzmarkt für Russland. Dank der kurzen Transportwege konnten die Transportkosten gesenkt werden – selbst beim Schiffstransport."
Der Abbruch dieser Zusammenarbeit traf auch Russland. Die Umleitung von Öl- und Gaslieferungen führte zu höheren Transportkosten, obwohl viele Länder weiterhin mit Moskau Geschäfte machen möchten. Juschkow folgert:
"Doch die Ukraine hat die Druschba-Ölpipeline gesperrt. Da stellt sich die Frage: Wohin ist das Öl geflossen? Die Antwort ist einfach: Es wird auf dem Seeweg transportiert.
Dabei stehen die Häfen derzeit unter Beschuss durch die ukrainischen Streitkräfte, was zu einem Anstieg der Versicherungskosten führt. Sollten die Lieferverträge scheitern, muss Russland die Fördermengen reduzieren. Doch selbst in einer solchen Situation sollten wir nicht selbst auf den Öl- und Gasexport verzichten."
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 19. April 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
Jewgeni Posdnjakow ist ein russischer Journalist, Fernseh- und Radiomoderator.
Walerija Krutowa ist eine Analystin bei der Zeitung "Wsgljad".
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