Die durch den Krieg der USA und Israels gegen Iran verursachten Störungen der Düngemittelversorgung könnten weltweit eine mehrjährige Nahrungsmittelkrise auslösen, warnt der Gründer von World Central Kitchen (WCK), José Andrés.
Die Spannungen rund um die Straße von Hormus haben bereits die Energiepreise in die Höhe getrieben und die Weltwirtschaft erschüttert. Über diese Route werden nicht nur rund 20 Prozent der weltweiten Rohölexporte abgewickelt. Sie ist auch für den Transport von Stickstoffdüngemitteln von entscheidender Bedeutung.
Durch Verzögerungen beim Transport von Düngemitteln würden wichtige Pflanzzeiten verpasst, erklärte Andrés am Donnerstag gegenüber The Guardian. Das führe bei den kommenden Ernten zu Ertragseinbußen und löse eine Kettenreaktion aus, die zu Produktionsrückgängen und höheren Lebensmittelpreisen führe. Im Interview sagte Andrés:
"Es ist nicht nur Öl, das durch die Straße von Hormus transportiert wird. Ich sehe bis zum Herbst 2026 und 2027 einen sehr starken Anstieg der Hungersnöte weltweit voraus."
Bereits jetzt würden die Turbulenzen im Schiffsverkehr in und um Hormus die Düngemittelvorräte verknappen und die Kosten für Landwirte in die Höhe treiben, warnte er. Der Konflikt hat außerdem zu Stilllegungen von Düngemittelfabriken im gesamten Golfgebiet geführt, was die Versorgung weiter belastet. Stickstoffdünger sichert etwa die Hälfte der weltweiten Nahrungsmittelproduktion. Die Transportstörungen auf den Seewegen im Golf haben die Dünger-Engpässe während der Hauptanbausaison verschärft.
Ärmere Länder würden am meisten betroffen, warnte Andres. Er schlug vor, dass Regierungen einen kleinen Teil ihrer Staatshaushalte für die Ernährungssicherheit bereitstellen sollten.
Nach Schätzungen eines Berichts des UN- Entwicklungsprogramms könnten aufgrund der weitreichenden wirtschaftlichen Auswirkungen des Nahostkonflikts bis zu 32 Millionen Menschen in 162 Ländern in die Armut gedrängt werden. Importabhängige Länder würden am stärksten belastet. Am schwersten dürfte die Belastung in Teilen Asiens, in Subsahara-Afrika und in kleinen Inselstaaten ausfallen.
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