"Niemals Moskauversteherin" – Grünen-Politikerin Brantner Gastrednerin an der Universität Vilnius

Die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner wirbt in der litauischen Hauptstadt für eine "europäische Verteidigungsunion". An der Universität Vilnius erklärt sie ihr ganz offensichtlich gestörtes Verhältnis zu Russland.

Die Grünen-Politikerin Franziska Brantner war am Mittwoch geladene Gastrednerin an der Universität der litauischen Hauptstadt Vilnius. Die Vorsitzende ihrer Partei überschrieb ihren englischsprachigen Vortrag mit dem Titel: "Nie wieder allein". Laut Manuskript erklärte sie den Anwesenden, dass "Europa sich zum ersten Mal seit drei Generationen ernsthaft mit der Verteidigung" auseinandersetzen müsste.

Am historischen Rathaus, rund 600 Meter von der Universität entfernt, wurde im Dezember 2025 eine Gedenktafel mit einem Zitat von Bundeskanzler Friedrich Merz enthüllt. Diese trägt die Aufschrift:

"Die Sicherheit Litauens ist unsere Sicherheit. Der Schutz von Vilnius ist der Schutz von Berlin."

Der Eröffnungssatz von Brantners Rede lautet nun gut ein Jahr später:

"Europa muss sich zum ersten Mal seit drei Generationen ernsthaft mit der Verteidigung seines eigenen Territoriums, der Sicherheit seiner eigenen Nachbarschaft und der Glaubwürdigkeit seiner eigenen Abschreckung auseinandersetzen – ohne darauf zu setzen, dass die Kavallerie von irgendwoher zu Hilfe kommt."

Brantners Auftritt findet im Kontext ihres Besuchs bei der in Litauen stationierten deutschen Panzerbrigade 45 statt. Ihre Rede nutzte Brantner unter anderem dazu, "den Litauern die Ernsthaftigkeit des damit verbundenen Beistandsversprechens gegen Russland zu versichern", so die Welt-Redaktion in ihrer Zusammenfassung des Manuskripts. Dazu zitiert die Grünen-Politikerin im Verlauf ihres Vortrags den Bundeskanzler wörtlich:

"Für uns ist die Verteidigung von Vilnius die Verteidigung von Berlin."

Zu Beginn ihrer Rede wollte Brantner mögliche Irritationen oder Zweifel der Zuhörer zum Thema ihrer Glaubwürdigkeit ausräumen. Dazu referierte sie wörtlich:

"Bevor ich fortfahre, möchte ich etwas Persönliches sagen. Ich war nie und werde niemals das sein, was wir in Deutschland eine 'Moskauversteherin' nennen – jemand, der Moskau 'versteht'. Ich bin nicht nach Vilnius gekommen, um den Kreml zu erklären. Ich bin gekommen, um an Ihrer Seite zu stehen."

Die Grünen-Politikerin erklärte zuvor unmissverständlich, dass Solidarität mit den baltischen Staaten "sowie mit Mittel- und Osteuropa" für die Bundespolitik "keine Gefälligkeit" darstelle, die seitens Deutschlands "gewährt wird. Sie ist unsere Verantwortung", so Brantner. Eine weitere historische Aussage bezüglich ihrer russophoben Grundeinstellung lautete:

"Ich weiß, dass das hier in Vilnius keine Neuigkeit ist. Für den größten Teil Westeuropas fühlten sich die vergangenen 30 Jahre wie eine Zeit des Friedens an. Aber Sie wissen es besser. Im Januar 1991 stürmten sowjetische Truppen den Fernsehturm dieser Stadt, und 14 Menschen starben bei der Verteidigung Ihrer Freiheit. Der Rest Europas lernt gerade, was Sie schon immer wussten."

Brantner trat im Jahr 1996 der Grünen Jugend bei. Die Grünen-Chefin hatte laut Welt-Informationen bereits "vor einigen Monaten" an der britischen Oxford-Universität einen Vortrag gehalten. Dort, ebenfalls unter dem Titel "Nie wieder allein", brachte sie "zum Ausdruck, dass Deutschland als Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg und angesichts der veränderten geopolitischen Bedingungen nicht mehr nur verteidigungspolitische Zurückhaltung üben dürfe".

Das politische Berlin müsse laut Brantner "zwar wieder aufrüsten – aber nur verpflichtend eingebunden in europäische Befehlsstrukturen", so ein Zitat im Welt-Artikel aus dieser Rede.

Der "russische Angriff auf die Ukraine" hat laut der Grünen-Politikerin nun gezeigt, dass "ein großer Landkrieg in Europa nicht länger ein Albtraum, sondern eine neue Realität ist". Die Verteidigung Europas hänge daher aktuell "zum Teil von der Stimmung eines einzigen Mannes" in Washington ab, der zudem zuletzt die Sanktionen gegen russische Diesel-Exporte "über die Köpfe der Ukrainer hinweg aufgehoben" habe. 

Eine nun notwendige "europäische Sicherheits- und Verteidigungsstrategie" müsse daher vier drängende Fragen beantworten. Diese lauten demnach:

Was sich Brantner zufolge in den letzten Jahren abgezeichnet habe, sei, dass "wir nicht länger eine Struktur von 27 nationalen Befehlsketten, die von der jeweiligen Tagesstimmung in Washington abhängt, haben können". Ihre Forderung laute daher:

"Wir brauchen eine eigene europäische Struktur – für den Fall der Fälle!"

Brantner, von Januar 2022 bis zum Mai des Vorjahres Sonderbeauftragte der Bundesregierung für die Umsetzung der sogenannten "EITI – Initiative für Transparenz im rohstoffgewinnenden Sektor", fordert abschließend eine "europäische Verteidigungsunion", bestehend aus einer zielorientierten "Koalition der Mutigen".

Diese seien demnach Deutschland, Frankreich, Polen, Spanien und Italien, die dabei eine "Vorreiterrolle" übernehmen müssten. Die baltischen Staaten und die nordischen Länder würden zudem laut Redemanuskript bereits "wichtige Erfahrungen aus erster Hand im Umgang mit hybriden Bedrohungen mitbringen".

Brantner erklärte sich zu Jahresbeginn bereits offen zu einem deutschen Einsatz "zur Sicherung eines Friedens" in der Ukraine.  "Sollte sich die Notwendigkeit ergeben, einen Frieden in der Ukraine gemeinsam mit unseren europäischen Partnern zu schützen, kann und darf sich Deutschland dieser Solidarität nicht verweigern", so die Grünen-Vorsitzende im Zeit-Interview.

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