Rund die Hälfte aller Krankenhäuser beklagt eine Überlastung ihrer Notaufnahmen. Teilweise sei diese so groß, dass die Patientensicherheit gefährdet werde. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin (DGINA) hervor. Darüber haben der Spiegel und ZDF Frontal berichtet. Vielfach wurde dabei angegeben, dass sich die angespannte Situation in den vergangenen zwölf Monaten noch verschlechtert habe.
Für die Erhebung wurden im Juni 271 Notaufnahmen aus allen 16 Bundesländern befragt. 45 Prozent berichteten an diesem Tag von einer Überbelegung oder Überlastung, 8,1 Prozent meldeten gar eine schwere Überfüllung, 5,5 Prozent eine kritische Überlastung. Bei mehr als 60 Prozent kam es zu einem sogenannten "Exit Block": Patienten konnten nicht auf Station verlegt werden, weil dort keine Betten frei waren. Besonders brisant: Fast ein Drittel der Kliniken meldete der Leitstelle bereits eine Erschöpfung der Kapazitäten. Trotzdem wurden rund 79 Prozent dieser Häuser weiterhin mit Notfallpatienten belegt.
Martin Pin, Präsident der DGINA, erklärte:
"Die Ergebnisse der Blitzumfrage erschrecken uns sehr. Denn wir wissen aus großen internationalen Studien, dass in solchen Belastungssituationen die Patientensicherheit gefährdet ist."
Als Hauptgrund für die Überlastung wurde angegeben, dass Patienten nicht auf reguläre Stationen verlegt werden konnten, weil dort keine freien Betten verfügbar gewesen seien. Hinzu kommt eine schwierige Personallage. Fast zwei Drittel der Krankenhäuser berichteten von unbesetzten Stellen ihrer Notaufnahme. Nur etwa jede dritte Klinik hält ihre personelle Ausstattung für ausreichend. Die DGINA warnt deshalb vor einer anhaltend hohen Belastung der Notfallversorgung. Nötig seien stabile Personalstrukturen sowie Maßnahmen gegen Überfüllung und Bettenengpässe, um die Versorgung von Notfallpatienten sicherzustellen.
Finanzierungslücken werden größer
Die Krankenhäuser in Deutschland leiden unter systematischer Unterfinanzierung. So klafft eine immer größere Lücke zwischen dem Investitionsbedarf der Krankenhäuser und den tatsächlichen Fördergeldern der Bundesländer. Das berichtete das Deutsche Ärzteblatt mit Verweis auf Statistiken der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Demnach betrug die Finanzierungslücke in den letzten Jahren bis zu 41 Prozent.
Eine Besserung ist allerdings nicht in Sicht, denn die Bundesregierung plant umfangreiche Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen, um das Milliardendefizit der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) einzudämmen. Laut dem Entwurf des Bundeshaushaltsplans 2027 sollen die Ausgaben für das Gesundheitsministerium um 7,4 Milliarden Euro gekürzt werden. Mit der GKV-Reform will die Bundesregierung die finanziell unter Druck stehende GKV stabilisieren. Wie die Gesellschaft Verdi kritisiert, würden dafür in erster Linie die Beschäftigten in Krankenhäusern, Rettungsdiensten, der medizinischen Behandlungspflege, psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen sowie Rehabilitations- und Vorsorgeeinrichtungen bezahlen.
Mehr zum Thema – Jetzt soll auch an den Kinderkrankentagen gespart werden