Wie die lokalen Medien Nürnberger Nachrichten und Nordbayern.de vom Verlag Nürnberger Presse (VNP) berichten, hat sich am frühen Freitagmorgen ein Brand bei einem Fürther Munitionshersteller ereignet. Betroffen war das Werkgelände des Unternehmens RWS im Stadtteil Stadeln, das seit der Übernahme von RUAG Ammotec zur italienischen Beretta Holding gehört.
Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers kam es auf dem Werkgelände in der Kronacher Straße am Freitagmorgen gegen 5.15 Uhr zu einem Brand in einer Filteranlage. Die Feuerwehr konnte die Flammen rasch unter Kontrolle bringen, allerdings zogen sich die Löscharbeiten aufgrund der erschwerten Zugänglichkeit des Brandortes noch weiter hin. Verletzte soll es den Medienberichten zufolge keine gegeben haben. Die Ursache für den Brand ist noch unklar. Bereits im Jahr 2018 hatte es in derselben Munitionsfabrik gebrannt.
Der jetzige Brand sorgt in der mittelfränkischen 131.000-Einwohner-Stadt für besonderes Aufsehen, da die Feuerwehr die Menschen im Norden Fürths per Warn-App auf dem Smartphone alarmierte, obwohl keine Gefahr für die Öffentlichkeit bestand. Die Fürther Berufsfeuerwehr wollte mit der Aktivierung der Alarm-App die Bevölkerung vor einer möglichen Geruchsbelästigung warnen.
Wie ein Feuerwehrsprecher dem VNP-Medienhaus mitteilte, habe der Alarm rein der Information gedient. Man habe vermeiden wollen, dass Menschen sich aufgrund des Brandgeruchs am Morgen verunsichert fühlen. Messungen hätten ergeben, dass die Rauchentwicklung für die Allgemeinheit ungefährlich sei.
Nach eigenen Angaben stellt das Traditionsunternehmen kleinkalibrige Munition für behördliche und militärische Kunden her und ist auch Lieferant für die Bundeswehr. So erhielt RWS im Jahr 2023 einen Auftrag für die Scharfschützen-Munition des Kommandos Spezialkräfte der Bundeswehr.
Der Ukraine-Krieg und die Zeitenwende brachten dem Unternehmen offenbar einen Boom. So zählte das Nachrichtenportal des Bayerischen Fernsehens den Munitionshersteller RWS im Februar 2026 zu den bayerischen Unternehmen, die "vom Krieg profitieren". Dirk Prehn, den Leiter von RWS, zitierte der Sender dahingehend, dass nun dank der Schuldenaufnahme des Bundes Planungssicherheit in der Auftragslage herrsche. Habe man früher Finanzierungen lange nicht erhalten, könne man nun zusätzliche Mitarbeiter einstellen.
Mittlerweile produziert RWS aber nicht nur im althergebrachten Segment der Kleinmunition, sondern will auch in die Drohnen-Bekämpfung einsteigen. Speziell für die Drohnenabwehr auf kurze Distanz im innerstädtischen Raum hat die RWS GmbH Militärmagazinen zufolge Munition entwickelt. Auch das vom Rüstungskonzern Diehl ausgearbeitete Drohnen-Abwehrfahrzeug verwendet Munition von RWS.
Die Munitionsproduktion hat im Fürther Norden eine lange Tradition. Im Ersten Weltkrieg war das Werk eine der größten Produktionsstätten für Zündhütchen weltweit. Auch im Zweiten Weltkrieg produzierte die Munitionsfabrik (damals unter dem Namen Dynamit-Nobel) Militärmunition. Die Bombardierungen überstand die Fabrik weitgehend unbeschädigt, im Juni 1943 kam es jedoch in einem Verpackungsraum für Zündhütchen zu einer schweren Explosion. 15 Menschen starben, darunter drei Zwangsarbeiterinnen.
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