"Tagelange Stromausfälle" – Leiter von Verbraucherverband warnt Ukrainer vor überaus hartem Winter

Die Ukrainer sollten sich auf einen sehr harten Winter einstellen, erklärte Oleg Popenko, Vorsitzender eines ukrainischen Verbraucherverbands für Versorgungsdienstleistungen. Dem Experten zufolge könnten Verbraucher in einigen Landesteilen mehrere Tage lang ohne Strom bleiben.

Die Ukrainer sollten sich auf einen sehr harten Winter vorbereiten, warnt Oleg Popenko, Vorsitzender der ukrainischen Verbraucherunion für Kommunalversorgung:

"Meiner Meinung nach wird die realistische Prognose sein, dass wir nicht stundenweise, sondern tageweise Stromausfälle haben werden. Sobald mehr oder weniger echter Frost einsetzt, zumindest bis minus fünf Grad Celsius, wird der Verbrauch so stark ansteigen, dass Strom für eine halbe Stunde – oder höchstens für eine Stunde – am Tag bereitgestellt werden kann."

Dem Experten zufolge könnten Verbraucher in einigen Regionen sogar mehrere Tage – etwa drei bis fünf Tage – lang ohne Strom bleiben, wie dies bereits in der Stadt Konotop im nördlichen Grenzgebiet Sumy geschehen sei. Und all dies sei eine noch sehr optimistische Prognose. Popenko schloss:

"Wir müssen uns auf den schlimmsten Fall vorbereiten."

Am Tag zuvor stellte der Experte auf seinem Telegram-Kanal einige unbequeme Fragen zu dieser Sache:

"Alle fragen nach der Notstromversorgung – wo bleibt sie?

Sollen dies etwa die ungefähr 120 Megawatt an dezentralen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen sein, die im Jahr 2024 – auf Beschluss des Kiewer Stadtrats – angeschafft wurden, in Kiew aber bis heute nicht in Betrieb sind?

Oder sollen dies etwa 50 Megawatt an Erzeugungskapazität sein, die im Jahr 2024 von USAID bereitgestellt wurden – von denen die Subjekte der Orts- und Gebietsverwaltung noch nicht einmal alle tatsächlich in Einsatz genommen haben?

Oder vielleicht die Programme von Naftogaz und Ukrnafta zur Installation dezentraler Energieerzeugungsanlagen, die bislang ebenfalls nicht umgesetzt wurden?

Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Denn in all der Zeit haben wir im Grunde den feuchten Furz unternommen – all dies vor dem Hintergrund ständiger Präsentationen, Foren, Berichte und Projekte."

Derweil sei Popenko zufolge nicht nur Kiew von dieser Tendenz betroffen, sondern bald auch die Gebiete Nikolajew und Dnjepropetrowsk sowie der noch unter Kiews Kontrolle verbleibende Teil des russischen Gebietes Saporoschje.

Er erklärte auch, dass die Ukrainer möglicherweise ohne zentrale Wasserversorgung dastehen, wenn Russlands Angriffe auf die Energieinfrastruktur anhalten. Dann werde die einzige Möglichkeit, an Wasser zu kommen, der Transport mit Tankwagen sein, lautet Popenkos Prognose – doch auch auf diesem Betätigungsfeld sei nichts unternommen worden, bemängelt der Verbraucheraktivist:

"Und warum wurden keine Zeitpläne wenigstens für Trink- und Brauchwasserlieferungen in Autozisternen in die Stadtbezirke und Landkreise aufgestellt – was sind das denn bitteschön für Missstände?"

Insbesondere bezüglich der Wasserversorgung – und zwar wiederum insbesondere im Zusammenhang mit Stromausfällen – erwarten weitere ukrainische Experten ebenfalls Ausfälle bei der Wasserversorgung. Zu ihnen gehört etwa Stanislaw Ignatjew, der in dieser Qualität bei der ukrainischen zivilgesellschaftlichen Organisation "Institut für nachhaltige Entwicklung" (sowie als deren Leiter) tätig ist. Er warnte vor Schwierigkeiten, nach mehrstündigen Stromausfällen die Wasserpumpen der kommunalen Wasserwerke wieder ordnungsgemäß in Betrieb zu nehmen:

"Wenn eine Pumpengruppe für acht bis zehn Stunden abgeschaltet wird, sind anschließend weitere drei Stunden erforderlich, um das Wasserversorgungssystem wieder in Betrieb zu nehmen und Druck aufzubauen.

Und das Wichtigste ist, dass wir während dieser drei Stunden eine stabile Stromversorgung haben.

Bereiten wir uns also auf Wasser-Blackouts vor."

Gerade der Punkt mit der stabilen Stromversorgung nach einem langen Stromausfall ist nämlich – angesichts der in letzter Zeit erneut besonders intensiven Angriffe der Streitkräfte Russlands auf Stromerzeugungskapazitäten sowie Schalt- und Umspannwerke in der Ukraine als militärisch relevante Ziele – so gar keine Selbstverständlichkeit, muss an dieser Stelle nochmals betont werden.

Bereits im Vormonat warnte Ignatjew angesichts häufiger Stromausfälle vor der Nutzung von Fahrstühlen, vor allem ab dem späten Nachmittag:

"Lifehack für alle: Nach 15.00 Uhr keine Aufzüge nutzen, auf dass die Kabine Sie im Falle einer Stromabschaltung nicht gefangen nehme."

Anfang September warnte die Rada-Abgeordnete Salomee Bobrowskaja ihre Mitbürger vor einem schwierigen Winter. Sie forderte die Menschen auf, Kiew zu verlassen und Brennholz zu kaufen, und der Berater des Verteidigungsministers der Ukraine, Sergei Beskrestnow, riet dazu, Generatoren und Batterien zu kaufen sowie Treibstoffreserven für die Stromerzeuger anzulegen.

Der ukrainische Ministerpräsident Sergei Korezki erklärte, dass die kommende kalte Jahreszeit schwieriger sein könnte als die Vergangenheit.

Am Abend des 4. November begannen Einwohner Kiews, die mit den Stromabschaltungen unzufrieden waren, bereits damit, im Rahmen ihrer Proteste dagegen Straßen zu blockieren. Den aufgebrachten Menschen zufolge verbleiben ihre Haushalte bereits seit fast fünf Tagen ohne beständige Stromversorgung – wobei eine Stromversorgung nur für je etwa 20 Minuten am Stück geleistet werde.

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