Merz auf "Abschiedstour" in Kiew: Mit 1,35 Milliarden im Gepäck – zu Hause unbeliebt, in Kiew gelobt

Beim heutigen Überraschungsbesuch in Kiew hat Bundeskanzler Friedrich Merz der Ukraine weitere deutsche Hilfe im Umfang von rund 1,35 Milliarden Euro zugesagt. In Deutschland ist Merz mit miserablen Zustimmungswerten konfrontiert, in Kiew dagegen kann er sich als großer Unterstützer feiern lassen. Milliardenhilfe als politischer Wohlfühltermin.

Von Hans-Ueli Läppli

Friedrich Merz ist am frühen Sonntagmorgen überraschend in Kiew eingetroffen. Der Bundeskanzler reist mitten im Krieg in die ukrainische Hauptstadt und bringt neue Milliardenhilfe aus Deutschland mit.

Beim heutigen Überraschungsbesuch hat Merz der Ukraine weitere deutsche Unterstützung im Umfang von rund 1,35 Milliarden Euro zugesagt.

Für die ukrainische Regierung ist der Besuch ein Grund zur Freude. Für Merz selbst könnte die Reise allerdings eine ganz andere Bedeutung haben.

Mit seinen miserablen Zustimmungswerten stellt sich die Frage, ob dies bereits seine letzte Reise nach Kiew als Bundeskanzler sein könnte.

Eine Art Abschiedstournee also

Denn während Merz in Kiew Unterstützung und Anerkennung erhält, sieht die politische Realität in Deutschland deutlich weniger freundlich aus. Seine Popularitätswerte sind im Keller. Die Bundesregierung steht unter Druck, und auch die Bereitschaft der Deutschen, immer neue Milliarden für die Ukraine bereitzustellen, ist keineswegs grenzenlos.

Trotzdem setzt Merz weiter auf militärische Unterstützung. Deutschland will unter anderem Tausende Abfangdrohnen liefern. Eine Milliarde Euro soll für weitere militärische Hilfe freigegeben werden, weitere 350 Millionen Euro sind für die Reparatur und den Wiederaufbau zerstörter Energieanlagen vorgesehen.

Merz begründet seinen Kurs mit der Bedrohung durch Russland.

"Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns", sagte er bei seiner Ankunft in Kiew.

Der Besuch ist damit nicht nur eine Solidaritätsbekundung mit der Ukraine, sondern auch eine politische Inszenierung. In Deutschland kämpft Merz mit einer dramatisch schwindenden Zustimmung, in Kiew kann er dagegen als entschlossener Unterstützer auftreten und weitere Milliarden versprechen.

Kiew ist für Merz derzeit der Ort, an dem ihm Unterstützung und Anerkennung sicher sind. In Deutschland gehört Merz inzwischen zu den unbeliebtesten Kanzlern der jüngeren Geschichte.

Seine Reise ist mehr als ein weiterer Besuch. Dieser Auftritt wird zu Merz' Abschiedstournee in der Ukraine.

Liveticker Ukraine-Krieg ‒ Bundeskanzler Merz trifft überraschend in Kiew ein