Der Europaabgeordnete Michael von der Schulenburg wirft Brüssel vor, militärisch aufzurüsten, ohne eine eigene politische Strategie zur Kriegsbeendigung zu verfolgen. Es gebe keinen direkten Kontakt zu Russlands Präsident Wladimir Putin – anders als in früheren Konflikten, in denen Gesprächskanäle oft offengeblieben seien, sagte er dem Online-Magazin World News Monitor. In einer multipolaren Welt werde die EU kein drittes Machtzentrum neben den USA und China sein. "Sie ist keine Großmacht."
Besonders hart geht Schulenburg mit Deutschland und den französischen Sozialisten ins Gericht. Deutschlands Anspruch auf eine Führungsrolle in der europäischen Verteidigung gegen Russland löse in Frankreich und Polen Besorgnis aus. Auch das Auftreten von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sorge in Mitgliedstaaten für Unbehagen. Vor einer nuklearen Eskalation warnt er ausdrücklich: Zuerst würde die Ukraine zerstört, danach Deutschland. Ukrainische Drohnenangriffe auf Moskau seien militärisch ohne strategische Bedeutung.
Finanziell klafft laut Schulenburg eine Lücke: Von den der Ukraine zugesagten 90 Milliarden Euro seien bisher erst 11,7 Milliarden als Kredite für Rüstungsausgaben überwiesen worden. Aber die Ukraine ist nicht die einzige Belastung, die der EU zu schaffen macht. Für das schwierige geopolitische Fahrwasser fehlt der EU ein kompetenter Lotse.
Neben dem Ukraine-Krieg setzen der Iran-Krieg und der Zollstreit mit den USA die EU unter Druck.
Der Iran-Krieg begann Ende Februar 2026 mit Angriffen der USA und Israels. Er hat sich regional ausgeweitet: Blockade der Straße von Hormus, Angriffe auf Golfstaaten, Druck auf das Rote Meer durch Huthi-Milizen. Das treibt Öl- und Gaspreise hoch. Die Rohölsorte Brent notierte zeitweise deutlich über 100 Dollar, europäisches Diesel und Kerosin sind heute deutlich teurer als vor dem Überfall der USA und Israels auf Iran. Für Deutschland und die EU bedeutet das Inflationsdruck, abgeschwächtes Wachstum, teurere Vorprodukte und Risiken für die Industrie. Europa spielt dabei weder im Iran-Konflikt noch hinsichtlich des Ukraine-Konflikts eine nennenswerte Vermittlerrolle. Gleichzeitig belasten Energiepreise, die Russland-Sanktionen und die Ukraine-Unterstützung.
Im Zollkrieg mit den USA unter Präsident Trump gilt trotz eines Handelsdeals Unsicherheit. US-Zölle auf EU-Exporte liegen oft bei 10 bis 15 Prozent, plus sektorspezifische Abgaben. Die EU hat eigene Zölle auf US-Industriewaren zeitweise abgeschafft, um eine Eskalation zu vermeiden. Trump droht weiter mit neuen Maßnahmen – etwa über Sanktionen gegen Importeure russischen Öls. Das trifft exportstarke Branchen wie den Maschinenbau und die Autoindustrie. Die EU sitzt zwischen allen Stühlen. Es gelingt der EU in dieser Situation nicht, eine machtvolle, geopolitisch gestaltende Position einzunehmen.
Zusammengenommen zeigen die drei Konflikte die strukturelle Schwäche der EU: fehlende einheitliche Strategie, Abhängigkeit von Energieimporten und US-Sicherheitspolitik, interne Spannungen zwischen Mitgliedstaaten und begrenzte Handlungsfähigkeit in einer Welt, in der Großmächte unilaterale Deals und militärische Fakten schaffen.
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