Saudi-Arabien habe die Öllieferungen nach Europa gedrosselt, nachdem die wichtige Exportpipeline zum Roten Meer infolge von Drohnenangriffen beschädigt worden sei. Dies teilte Reuters unter Berufung auf Quellen aus Handelskreisen mit. Saudi-Arabien habe irakische Milizen für die Attacken verantwortlich gemacht.
Das Königreich sei am Freitag dazu gezwungen worden, den Betrieb seiner Ost-West-Pipeline auszusetzen. Diese Exportroute, die durch die Wüste bis zum Rotmeerhafen Yanbu verläuft, habe das Land in den vergangenen sechs Monaten vor den schlimmsten Auswirkungen einer Schließung der Straße von Hormus bewahrt, merkte Reuters an.
Nach Angaben der Agentur habe Saudi-Arabien seine Kunden in Europa darüber informiert, dass einige für September geplante Rohöllieferungen gestrichen und die Ölverladungen im Hafen Yanbu ausgesetzt worden seien. Der Rückgang der saudischen Öltransporte durch das Rote Meer werde das Königreich dazu zwingen, zu versuchen, mehr Öl durch die Straße von Hormus mithilfe sogenannter Schattenflotten zu transportieren – so wie es die VAE und der Irak bereits täten, berichtete Reuters weiter. Solche Lieferungen ermöglichten es den Ölproduzenten am Golf, täglich sieben bis neun Millionen Barrel zu exportieren – das entspreche 30 bis 40 Prozent der Vorkriegsmengen.
Die Situation um die Ost-West-Pipeline habe Großabnehmer wie Polen zur eiligen Suche nach Alternativen veranlasst, so Reuters weiter. Branchenquellen teilten der Agentur mit, dass das polnische Ölunternehmen Orlen sich darum bemühe, Rohöllieferungen aus der Nordsee und anderen Regionen zu finden, um die unterbrochenen saudischen Importe zu ersetzen.
Im Jahr 2022 sei der saudische Ölkonzern Aramco zum wichtigsten Lieferanten von Orlen geworden und habe seitdem rund 40 Prozent des Ölbedarfs des Unternehmens abgedeckt. Obwohl dies dazu beigetragen habe, die Abhängigkeit von russischem Öl zu verringern, sei Orlen gleichzeitig in eine Abhängigkeit von dem saudischen Produzenten geraten, schrieb die Agentur.
Die Reparatur der Schäden am Pipeline-System könnte vier bis sechs Wochen dauern. Dies berichtete die BBC unter Berufung auf das Analyseunternehmen Kpler. Auch ein Gesprächspartner von Reuters hatte zuvor einen ähnlichen voraussichtlichen Zeitraum für die Reparatur der Pipeline genannt – fünf bis sechs Wochen. Eine andere Quelle geht davon aus, dass die Schadenbehebung weniger Zeit in Anspruch nehmen werde und der Öltransport teilweise schon vor Abschluss der Reparaturarbeiten wieder aufgenommen werden könne.
Die Drohnenangriffe ereigneten sich am vergangenen Donnerstag, dem 11. September, teilte der US-Sender CNN unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute US-Beamte mit. Wie es heißt, war das Pipeline-System von Drohnen aus dem Irak getroffen worden. Zu Schaden seien Pumpstationen gekommen, die sich direkt neben der Pipeline befinden.
Saudi-Arabien, der weltweit größte Ölexporteur, hat rund vier Millionen Barrel pro Tag – etwa 4 Prozent des weltweiten Angebots – durch die Ost-West-Ölpipeline zum Hafen von Yanbu am Roten Meer gepumt.
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